Brauchen wir Tempo 50 innerorts? Oder Tempo 100 auf Landstraßen? Ich denke, solche Diskussionen führen nicht weiter, weil man als Einzelner das sowieso nicht ändern könnte (selbst wenn man es wollte). Daß Verkehrsregeln insgesamt nötig sind, wird bei der heutigen Verkersdichte wohl niemand ernsthaft bezweifeln. Daß die Nichteinhaltung gewisse für jeden nachlesbare Folgen nach sich zieht, ist auch kein Geheimnis. Die MPU gibt es in Deutschland seit 1954. In manchen anderen europäischen Ländern gibt es etwas Ähnliches, in vielen anderen nicht. Darüber kann man sich als MPU-Betroffener ärgern, aber nützen tut einem das trotzdem herzlich wenig.
Davon sollte man sich in den meisten Fällen nicht all zuviel versprechen. Das Überschreiten einiger Werte zieht ganz automatisch die "Einladung" zur MPU nach sich (z.B. Fahrt in alkoholisiertem Zustand mit mindestens 1,6 Promille, 18 oder mehr Flensburg-Punkte und Ähnliches mehr). Wenn man sich darin nicht wieder findet und sich ungerechtfertigt "verdonnert" fühlt, ist eine Beratung bei einem Anwalt speziell für Verkehrsrecht zu überlegen (ein einzelner Termin kostet nicht die Welt).
Was aber auch die Wenigsten wissen: Der Anwalt für Verkehrsrecht scheint natürlich naheliegend, ist aber nicht immer der beste Spezialist. Bei den meisten Problemen innerhalb des MPU-Apparates geht es nicht mehr um Verkehrsrecht, sondern um Fragen des Verwaltungsrechts. Es ist deshalb gar nicht selten, dass der Verkehrsrechts-Anwalt nicht viel drüber weiß, wie eine MPU im einzelnen abläuft. Das liegt wirklich außerhalb seines Fachgebiets!
Der Gang zum Anwalt bringt aber oft nicht viel, weil gegen die MPU-Aufforderung kein Widerspruch möglich ist. Die verblüffende Logik dahinter ist wie folgt:
Niemand wird dazu "verurteilt" die MPU machen zu müssen, und deshalb ist dagegen auch kein Widerspruch möglich. Man macht die MPU nach Verwaltungs- und Rechtssprechungs-Logik immer "freiwillig", denn "man muß ja nicht" - natürlich mit der Konsequenz, daß dann wie bereits angekündigt der Führerschein entzogen wird und das auch dauerhaft bleibt. Erst gegen diesen Beschluß kann man Widerspruch einlegen und den Anwalt ins Feld schicken (meist mit wenig Aussicht auf Erfolg). Da die Pappe aber erst mal weg ist und ein solches Verfahren lange dauern kann, ist das meiner Meinung nach kein brauchbarer Weg!
Schön wär's, aber es gibt natürlich nichts, denn die MPU war ja "völlig freiwillig"! Wieso sollte einem also der Staat die entstandenen Kosten erstatten?!
Auch wenn jetzt viele sagen werden, daß das doch dem gesunden Menschenverstand widerspricht, hilft einem das keinen Millimeter weiter: Wer bei einmal angeordneter MPU seinen Führerschein wieder haben will (oder behalten, falls er noch nicht entzogen wurde), der darf zahlen und wird mit ziemlicher Sicherheit auf diesen Kosten sitzen bleiben - egal, wie die MPU ausgeht.
Fair / unfair ist hier kein passendes Kriterium. Sie ist mindestens soweit nicht "unfair", als der Gutachter nicht nach Lust und Laune oder der Länge der Nase entscheiden darf, sondern feste Vorgaben hat, an die er sich bis in allen Einzelheiten halten muß. Ich kenne eine ganze Reihe Leute, die die MPU als "total unfair" empfunden haben. "Kaum zu glauben, was der alles wissen wollte!" - Die haben aber alle denselben großen Fehler begangen: ahnungslos und ohne jede Vorbereitung zur MPU marschiert im festen Glauben, das mach ich mit Links, dem Gutachter erzähl ich das Blaue vom Himmel runter...
Wenn man naiv und dumm mit unfair verwechselt, dann ist die MPU in der Tat sehr "unfair".
Der Bundesverband Niedergelassener Verkehrspsychologen bringt das mit einem schönen Beispiel auf den Punkt:
"Lediglich mit einigen angelesenen Standardantworten bei einer Untersuchung zu erscheinen, ist so aussichtslos, wie eine verrostete Karosserie einfach überzumalen und zu hoffen, der TÜV würde es schon nicht merken."
Der Vergleich mit dem TÜV-Prüfer trifft tatsächlich den Nagel auf den Kopf. Der Job von TÜV-Sachverständiger und MPU-Gutachter sind darin sehr ähnlich, daß beide eine Arbeit verrichten, bei der sich täglich Vieles wiederholt. Irgendwann hat der TÜV-Sachverständige, der seine Arbeit schon ein paar Jahre macht, halt "alles schon mehrfach gesehen" und kennt von jedem Automodell die typischen Schwachstellen, auf die er ganz gezielt achten wird. Genauso geht es dem MPU-Gutachter. Er hat im Lauf der Jahre wirklich jede Ausrede und jeden Bluff schon x-mal gehört und fällt deshalb nicht mehr drauf rein. Dafür braucht's noch nicht mal besondere Genialität, sondern das ist die ganz normale Kombination von Fachwissen und langjähriger Routine.
"Unfair" an der MPU ist so gesehen höchstens, daß man's mit einem Gutachter zu tun hat, der seinen Job nicht erst seit vorgestern macht - genauso wie die meisten TÜV-Prüfer mit ihrem gefürchteten Hämmerchen halt auch.
Wenn ich mit einem älteren Auto zum TÜV muß, kann ich's entweder von einem Fachmann vorher anschauen und die Mängel beseitigen lassen, oder ich fahr erst mal zum TÜV, hol mir den Mängelbericht und muß nach Erledigung eben zur Nachkontrolle noch mal hin fahren.
Bei der MPU ist die zweite Möglichkeit aber die eindeutig massiv schlechtere: Nicht nur, daß die Kosten um ein Vielfaches höher sind als bei der TÜV-Plakette, sondern das negative MPU-Gutachten hat auch deutlich unangenehmere Folgen! Einfach "mal hingehen und schauen, was bemängelt wird", wäre deshalb eine große Dummheit.