MPU: Was den psychologischen Gutachter interessiert
Für die Beurteilung, ob der Proband ein POSITIV oder ein NEGATIV bekommt, fragt der Gutachter eine Art Raster ab, das Sie unbedingt kennen und in seinen Zusammenhängen verstehen sollten. Ich stelle es hier in kompakter Form dar.
Die Gründe für Ihr Verhalten
Der Gutachter kennt Sie nicht persönlich. Er weiß über Sie nur das, was in Ihrer Führerscheinakte steht. Deshalb ist wichtig für Sie, daß Sie den Inhalt dieser Akte genau kennen, damit Sie nicht mit Details überrascht werden, an die Sie sich vielleicht gar nicht mehr erinnern. Der Gutachter wird Sie zu jedem einzelnen Vergehen nach Einzelheiten fragen: wann, wo, wie, warum... Er will sich ein Bild davon machen, was die Hintergründe der Verstöße waren, denn "einfach nur so" ist seiner Meinung nach gar nichts geschehen.
Damit er sieht, daß Sie sich intensiv damit beschäftigt haben, sollten Sie so ausführlich wie möglich berichten können. Erzählen Sie aber nicht einfach irgendwas! Was Sie hier sagen, ist die Grundlage dafür, was nachher die Veränderung gibt, von der Sie den Gutachter überzeugen müssen.
Gefährdung und Verantwortung
Der Gutachter wird sehr darauf achten, ob Ihnen bewußt ist, daß Ihr Verhalten eine Gefährdung für die Allgemeinheit (also andere Verkehrsteilnehmer, die Sie gar nicht kennen) ist. Und er will von Ihnen hören, daß nur Sie allein verantwortlich für Ihr Verhalten sind (Sie selber entscheiden, ob Sie schneller fahren als erlaubt, Alkohol trinken und sich trotzdem hinters Steuer setzen usw.).
Damals war Ihnen das nicht bewußt oder Sie haben es verdrängt, aber in der MPU müssen Sie diese Einsicht am besten dem Gutachter auf dem Silbertablett servieren, daß er fast drüber stolpert.
Veränderung
Für den Gutachter haben Sie durch Ihr bisheriges Verhalten im Straßenverkehr und durch die Tatsache, daß Sie jetzt hier bei der MPU sind, sich als Führerscheinbesitzer ungeeignet geoutet. Sie wollen ihn aber vom Gegenteil überzeugen. Aus der Sicht des Gutachters heißt das: ihm genau nachvollziehbar darlegen (oder besser noch demonstrieren), worin Ihre Veränderungen bestehen, die Sie als nicht mehr allgemeingefährlichen Fahrer qualifizieren. Ohne diese Veränderungen sind Sie für ihn immer noch derselbe, der schon die bisherigen Vergehen begangen hat.
Ihre Strategien
Auch die schönste Einsicht und die besten Vorsätze sind dem Gutachter noch zu wenig. Bei diesem Kandidat reicht das nicht, da muß eine zusätzliche Krücke her. Er will von Ihnen im Detail wissen, welche Sicherungen Sie eingebaut haben, damit Sie jetzt auch wirklich so funktionieren wie der Durchschnitt der Autofahrer.
Stabilität
Der Gutachter hat die Vorgabe, nicht nur nach dem Jetzt zu fragen, sondern auch allerlei Eventualitäten einzubeziehen. Wird der Proband in seinem neuen Verhalten stabil bleiben oder könnte das plötzliche Auftreten schwieriger Situationen dazu führen, daß er in sein altes Verhaltensmuster zurück fällt?