Die Wiederholungstäter

Keine Frage, bei der MPU stößt man immer wieder auf Dinge, die dem Durchschnittsbürger reichlich abwegig erscheinen – und manche sind es auch tatsächlich. Man sollte aber etwas genauer hinschauen, um zu verstehen, welche Denkweise dahinter steckt.

Hier soll es heute um die Wiederholungstäter gehen. Das können die klassischen Punktesammler sein, aber auch wiederholte Alkohol- oder Drogenauffälligkeiten, Fahren ohne Fahrerlaubnis und noch einiges mehr. Allen gemeinsam ist: Sie haben anscheinend aus der vorausgegangenen Sanktion bisher nichts gelernt.

Vom genauer Hinschauen war gerade die Rede. Dabei fällt natürlich sofort auf, dass es vergleichsweise harmlose Sanktionen gibt und solche, die bereits richtig weh tun können. So ist der typische Punktesammler einer von der ersten Sorte (hat halt immer brav die Strafe bezahlt und empfindet das vielleicht sogar so, dass er sich damit „freigekauft“ hat), während viele Alkoholtäter schon beim ersten Mal heftig was zu spüren bekommen haben (Geldstrafe, lange Sperrfrist usw.).

Das Problem ist, dass wiederholte Verstöße die Vermutung nahe legen, dass der Betreffende entweder nicht anders will oder vielleicht sogar nicht anders kann – womit ein zukünftiger Rückfall nicht fern wäre.

Wer als Wiederholungstäter zur MPU antritt, muss (wie alle anderen auch) natürlich erklären können, was er „von seinem Problemverhalten hatte“, also welche Funktion es in seinem Lebenszusammenhang hatte. Auf ihn wartet aber noch eine zusätzliche Aufgabe: Er muss auch erklären können, wieso bei ihm Strafe nicht gewirkt hat und wie es dazu kam, dass das jetzt und in Zukunft nicht mehr so ist.

Natürlich spielt dabei Einsicht eine wichtige Rolle. Damit der Gutachter aber darauf anspringt, müssen Sie ihm glaubhaft und nachvollziehbar klar machen können, wie diese Einsicht bei Ihnen inzwischen entstanden ist und warum das bisher nicht der Fall war. Ich hoffe, Sie merken, dass die Antwort nicht einfach eine von der oberflächlichen Sorte sein darf.

Keine gute Erklärung wäre es, wenn der Führerschein für Sie so kostbar ist, dass Sie eben jetzt bla bla bla…

12 Gedanken zu „Die Wiederholungstäter“

  1. mir wurde bereits im Februar 2010 der Führerschein entzogen.Ich hatt ca 1 Promille Alkohol und Medikamente im Blut.Habe 1Jahr Abstinenznachweis erbracht.Allerdings beim Arzt.Ungeplannt forensich gesichert und durch ein zertifiziertes Labor bewertet.Diese Nachweis wurde bei der Mpu nicht anerkannt.Mir wurde ein positives Gutachten nur wgen der nicht anerkannten Abstiinenznachweise verwehrt.Ich hatte mich früher immer mit Medikamenten Benzodiazepinen und Alkohol ruhiggestellt.Seit bei mir ADHS festgestellt wurde bin ich clean.Ich nehme regelmäßig Ritalin nach Anweisung des Arztes.Da ich mich mit der Problematik Sucht nicht auskannte bin ich jetzt regelmäßig in einer Selbsthilfegruppe und bin soger ausgebildeter Suchthelfer.Bin Beamter bei Telekom habe 2 Kinder und würde meinen Führeschein dringend benötigen,da meine Frau in Pension ist und Sie nicht alles erledigen kann.Wäre auch bereit als Suchthelfer caritativ oder präventiv an Schulen etc zu arbeiten.Habe ichi eine Chance mit Rechtsmitteln zu einem positiven Ergebniss oder Vergleich zu kommen.Kosten spielen keine Rolle da ich Rechtschutz habe,.

    Liebe Grüße
    Thomas Neubauer aus Forchheim dienstlich in nürnberg tätig

    1. Die Gültigkeit der Abstinenznachweise ist eine heikle Sache: Früher gab es da wesentlich mehr Entscheidungsspielraum, aber seit der 3. Auflage der Beurteilungskriterien (Mai 2014) wurde alles viel enger gefasst, und daran muss man sich wirklich halten. Mal googeln unter CTU, vor allem CTU3. Rechtsmittel scheiden aus bei Ihnen. Möglich wäre nur eine Haaranalyse, die von jetzt ab maximal 6 Monate rückwirkend gilt für Drogen / Medikamente. Damit haben Sie schon mal 6 Monate Nachweis und brauchen wenigstens nur noch 6 weitere Monate ab jetzt – und dann natürlich wieder neue MPU.

      Darüber, ob das alles einen Sinn hat oder nur Schikane ist, kann man natürlich sehr unterschiedlicher Meinung sein und sich auch sehr ärgern. Es bringt aber leider nichts, weil man gegen diese Regelungen nicht angehen kann. Die Logik ist einfach: Jeder, der es wissen will, kann es soch nachlesen. Wenn er das nicht rechtzeitig tut, ist es halt SEIN Problem – basta.

  2. Eine Frage bzgl. der Eigenschaft bzw. Definition des Wiederholungstäters:

    1. Vor circa zwei Jahren wurde ich auf dem Fahrrad mit 1,68 pro Mille kontrolliert. Daraufhin wurde das Verfahren nach 153a StPO gegen eine Geldauflage von 100 Euro eingestellt. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft teilte mir die zuständige Staatsanwältin mit, dass sie den Vorfall nicht an die Führerscheinbehörde mitteilt. Daraufhin war mir klar, dass die Sache sich mit der Zahlung der Geldauflage erledigt hat. Eine MPU war damit erstmal vom Tisch.

    2. Nun wurde ich im Januar erneut auf dem Fahrrad mit 1,66 pro Mille kontrolliert. Das ich im Endeffekt nur 10 Meter gefahren bin, spielt natürlich keine Rolle. Jetzt steht ein Strafbefehl in Aussicht und damit auch eine MPU.

    3. Jetzt meine Frage: gelte ich nun als „Wiederholungstäter“? Klar, ich wurde nun zum zweiten mal erwischt, allerdings war die Sanktion nach dem ersten Vorfalls nicht wirklich mehr wie ein teuerer „Strafzettel“. Wichtig ist dies natürlich für meine Strategie – also KT oder Abstinenz.

    4. Weiß die FSSt überhaupt von dem ersten Vorfall? Sie wurde und wird ja eigentlich nicht darüber informiert. Allerdings steht in den Ermittlungsakten des zweiten Vorfalls natürlich etwas zum Ersten.

    Danke für eine Antwort.

    1. Was die Führerscheinstelle weiß (und nachher auch der MPU-Gutachter), diese Frage beantwortet ziemlich einfach ein Blick in die Führerscheinakte!

      Aber noch eine andere Anmerkung von mir: 7 Hundertstel(!) Promille zu viel, das sind bestenfalls zwei etwas größere Schluck oder 1/2 Stunde zu wenig abgewartet. Lohnt sich das denn wirklich für die ganze Prozedur und Kosten, die jetzt kommen werden?

      1. Naja, natürlich nicht. Aber jetzt ist es wie es ist. Wie sehen Sie das mit der Klassifizierung „Wiederholungstäter“? Geht ein Gutachter hin und sagt, zweimal erwischt = Wiederholungstäter oder werden schon die Umstände berücksichtigt, also dass nach der ersten Tat keine nennenswerten Folgen aufgetreten sind – sowohl strafrechtlich (keine Eintragung im BZR, da keine Verurteilung) als verwaltungsrechtlich (kein Führerscheinverlust, keine MPU, keine Sperrfrist)?

  3. Ich bin kein Prophet und weiß auch nicht, wie geschickt Sie im Gespräch an dieser Stelle argumentieren können. Ich wäre da aber schon ein bisschen vorsichtig mit der Logik: Weil ich beim ersten Mal nicht gleich ordentlich einsübergebraten bekommen hab, ist doch eigentlich das Gericht mit schuldig dran, dass ich den gleichen Blödsinn wieder gemacht hab! Wenn das jemand so präsentiert, ist das doch eine direkte Aufforderung es dem jetzt aber richtig zu zeigen (=12 Monate Abstinenz verlangen), damit es gut weh tut.

  4. Dass das ein schmaler Grat ist, ist mir klar. Allerdings muss man ja schon die Logik hinter der Forderung nach einem Abstinenznachweis bei Wiederholungstätern beachten. So wird dies ja gefordert, da man trotz Strafen (Strafbefehl, Führerscheinentzug usw…) wieder auffällig geworden ist. Klingt es dann nicht einleuchtend, wenn man darlegt, dass man mangels Konsequenzen keinen Lerneffekt, also auch nicht versuchte kontrolliert zu trinken? Gibt es da aus Ihrer Sicht Chancen, oder lieber auf Nummer sicher gehen und gleich Abstinenz?
    Und noch eine Frage zur Akteneinsicht. Ist die Akte nach Beantragung der Akteneinsicht vollständig oder kann da ohne das ich davon etwas weiß, noch nachträglich etwas hinein kommen?

  5. Guten Tag,

    Fragen zur Einschätzung meines Falles.

    Ich hatte 2 erhebliche Auffälligkeiten, die schon länger zurück liegen. Bin also Wiederholungstäter. Ich bin 45 Jahre alt.

    2003 wurde ich mit 0,8 Promille von der Polizei erwischt, da ich nicht sofort angehalten habe, bekam ich eine Sperrfrist von 9 Monaten und eine Geldstrafe. Eine MPU wurde seitens der Behörden nach der Sperrfrist nicht verlangt. Dummerweise habe ich meinen zuvor „verlorenen“ Führerschein (Diebstahl) nach der Sperrfrist nicht wieder beantragt und bin nach Ablauf der Sperrfrist trotzdem Auto gefahren.

    2009 wurde ich mit 1,3 Promille und ohne Führerschein in einer Polizeikontrolle angehalten. Das Gericht hat mich zu 18 Monaten Sperrfrist und einer hohen Geldbuße verurteilt, allerdings habe ich zum Glück keine Vorstrafe bekommen.

    Ich habe sehr lange Zeit verstreichen lassen, da ich nicht auf den Führerschein angewiesen war, mich nun aber dazu entschlossen das endlich anzugehen und befasse mich mit dem Thema MPU seit ca. einem halben Jahr. Mit der Aufarbeitung der Ursachen meiner Auffälligkeiten schon sehr viel länger.

    Was wäre Ihre Empfehlung der Vorgehensweise was Abstinenznachweise anbelangt? Ich kann so denke ich „kontrolliertes Trinken / Trinkregel“ glaubhaft anhand meiner veränderten Lebensumstände in den letzten Jahren
    und anhand 1 bis 2 Haaranalysen darstellen.

    Die Frage ist aber ob hier in meinem Fall auf Grund der Wiederholung und des Umstandes dass ich beim zweiten Vergehen ohne Fahrerlaubnis unterwegs war eine andere Strategie empfehlenswert wäre.

    Vielen Dank für Ihre kurze Einschätzung
    Alex

    1. Erfahrungsgemäß hat man ziemlich schlechte Karten, wenn man als Wiederholungstäter mit kontrolliertem Trinken antritt: Für den Gutachter ist das nämlich offensichtlich, dass bei Ihnen kontrolliertes Trinken nicht zuverlässig genug funktioniert, denn sonst wäre es ja nicht zum zweiten Vorfall gekommen – und das auch noch mit steigender Tendenz! Mindestens 6 Monate Abstinenznachweis sind deshalb dringend zu empfehlen.

  6. Hallo. Wolte mal wissen was auf mich zu kommt. Habe vor 2 jahren meinem führerschein verloren wegen alkohol am steuer mit unfall 0,9 promille. Musste eine mpu machen die ich dann vor 7 monaten bestanden habe. Jetzt gestern wurde ich angehalt und hatte 0,8 promille. ( bin noch in der probe zeit ). Muss ich wieder mit einer mpu rechnen ?diesmal haben sie mir den führerschein nicht weg genommen. Darf fahren bis der brief kommt

    Mit freundlichen Grüßen
    Sören Ringger. 21 jahre alt

    1. Ja klar, selbstverständlich kommt wieder MPU, wenn man innerhalb von 10 Jahren eine erneute Auffälligkeit mit Alkohol hat. Man ist dann Wiederholungstäter. Das hat zusätzlich die Konsequenz, dass kontrolliertes trinken nicht mehr akzeptiert wird, sondern man muss Abstinenz nachweisen. 6 Monate sind das Minimum, aber oft werden 12 Monate verlangt.

  7. Sehr geehrte Damen und Herren,

    bei einem Asylbewerbers ( Afrikaner, schlechte Deutschkenntnisse, Gelegenheitstrinker, derzeit in fester Anstellung, familiär und finanziell prekäre Verhältnisse)
    steht wegen einer Fahrradfahrt nach Geburt seines Sohnes mit knapp über 2 Promille die MPU an. Abgabetermin Anfang Mai 2017. Was tun bei diesen schlechten Voraussetzungen?

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