MPU-Vorbereitungen:
Warum ich so etwas anbiete

Kurz-Zusammenfassung:

Bei der MPU hat die Frage nach der Motivation große Bedeutung. Für meine Entscheidung MPU-Vorbereitungen anzubieten spielt eine ganz bestimmte Motivation ebefalls eine wichtige Rolle, denn ursprünglich hatte ich nie vor gehabt auf diesem Gebiet tätig zu werden. Lesen Sie also hier, wie es schließlich doch dazu kam.

Wie es dazu kam

Aha-Erlebnis 1:

Ausgangspunkt war, dass ich 2008 selber zur MPU "eingeladen" wurde (ja, eingeladen, denn offiziell ist es ja völlig freiwillig!); und zwar zur Punkte-MPU mit gerade eben mal drei(!) Punkten. Kann ja wohl nicht sein, dachte ich mir. Aber es kann tatsächlich - wie allerlei sonst auch noch. Bekanntlich schützt ja Nicht-Wissen oder Nicht-Genau-Genug-Wissen nicht vor den Konsequenzen.

Aha-Erlebnis 2:

Mir war durchaus klar, dass ich auch als ausgebildeter Psychologe ohne das verkehrspsychologische Spezialwissen bei der MPU scheitern würde. Ich suchte deshalb einen Verkehrstherapeuten auf, von dem ich mir als ja immerhin Fachkollege dieses Detailwissen gegen Bezahlung möglichst schnell und effektiv vermitteln lassen wollte. Mein Anliegen war es also, ihn für einige Stunden als »Privat-Lehrer« anzuheuern, nicht mehr und nicht weniger. Diese bezahlte Leistung war von ihm aber nicht zu kriegen. Er sah sich als Therapeut und mich als zu therapierenden Klient, und ein anderer Kontakt war mit ihm nicht möglich.

Aha-Erlebnis 3:

Die MPU habe ich dann im ersten Anlauf geschafft - trotz nur wenig befriedigender Vorbereitung (das erzwungene Therapeut-Klient-Verhätnis war einfach verunglückt). Die ganze Angelegenheit hat bei mir Erinnerungen an eine schon lange zurück liegende Erfahrung geweckt: Ich bin Jahrgang 1955 und bin deshalb in den 70ern als Kriegsdienstverweigerer zur zwingend vorgeschriebenen Gewissensprüfung angetreten. Die Umsetzung der MPU habe ich als selbst Betroffener als ganz ähnlich erlebt wie 35 Jahre vorher die KdV-Schikane. Angeblich ist die MPU eine Analyse des Einzelfalls. Diesen Anspruch kann sie aber in Wirklichkeit nur sehr mangelhaft einhalten. Gefragt ist nicht Ehrlichkeit, sondern eine ganz bestimmte Art von Vorbereitung.

Was folgt daraus?

Diese negativen Erfahrungen haben damals wie heute einen sehr kritischen Denkprozess angestoßen. 1973 hat dieser Prozess dazu geführt, dass mein naives Vertrauen in den Staat nachhaltig erschüttert worden ist. 2008 hat meine MPU-Erfahrung bewirkt, dass in mir das Bedürfnis aufkam, das nicht einfach als kleines rein persönliches Ärgernis abzuheften. Der Ärger und die empfundene Willkür waren so groß, dass es mir ein Bedürfnis war damit nach außen zu gehen.

Mir wurde bald bewusst, dass es mir nicht um »ein bisschen stänkern« ging. Ich wollte schon was tun, das Wirkung hat. Und am ehesten geht das eben, indem man den Hebel ganz weit innen ansetzt: Bei der Vorbereitung auf die MPU.

Faust und IKEA

Haben Sie mal Goethes Faust gelesen? Die meisten haben das wohl nicht ganz freiwillig getan. Es war halt Stoff im Deutschunterrcht. Da musste man durch. So hab ich es damals jedenfalls erlebt. Ich greife hier auf Faust zurück, weil er ein schönes Beispiel für die MPU liefern kann.

Fangen wir also gleich damit an:

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.
(Faust I, Prolog im Himmel)

Ich finde, dieses Zitat bringt die Arbeitsweise vieler Verkehrspsychologen sehr gut auf den Punkt: Der MPU-Kandidat ist vom verkehrstherapeutischen Standpunkt aus gesehn kein guter Mensch. Um das zu werden, braucht er therapeutische Hilfe. Spannend wird es dabei mit der Funktion des "dunklen Dranges" und des "rechten Weges", wenn man diese Begriffe auf das Gespräch mit dem psychologischen Gutachter bei der MPU anwendet. Als den rechten Weg bezeichne ich das, was der MPU-Kandidat im Gutachtergespräch liefern muss, um ein positives Gutachten zu erhalten. Ich denke, so weit ist das nachvollziehbar und akzeptabel. Was mir aber gar nicht gefällt ist der dunkle Drang dabei. Ich sehe darin die Unsitte, dass es vollkommen üblich ist, dass in den Therapiesitzungen die wichtige Gesprächssituation bei der MPU gar nicht behandelt wird. Die Arbeit des Therapeuten endet in dem Augenblick, wenn er den Eindruck hat, dass die Verwandlung in einen guten Mensch gelungen ist. Das bei der MPU auch möglichst gut rüber zu bringen, das wird "dem dunklen Drang" überlassen!

Und jetzt kommt IKEA ins Spiel: Der MPU-Kandidat, der in Erwartung umfassender Hilfe zum Verkehrspsychologen gegangen ist, steht am Ende der Maßnahme ähnlich bedröppelt da wie einer, der seine Wohnung einrichten will und erst zuhause merkt, dass er die IKEA-Möbel selber zusammenbauen muss.

Handwerklich nicht so geschickt? Tja, Pech gehabt! Oder übertragen auf unser thema MPU: Sie tun sich schwer in Prüfungssituationen souverän auf heikle Fragen zu antworten? Dann reicht Ihr "dunkler Drang" für die MPU halt vielleicht nicht aus.

Mogelpackung gekauft?

Wenn Sie sich jetzt verschaukelt fühlen, weil Ihr Verkehrspsychologe nicht das geliefert hat, was Sie erwartet haben, kann ich das sehr gut nachvollziehen. Er wird es aber wahrscheinlich anders sehen und ein gutes Gewissen haben. Fragen Sie deshalb vorher ausdrücklich nach, ob Sie eine Therapie geboten bekommen oder ob Sie auch wirklich auf das Gespräch mit dem psychologischen Gutachter ganz konkret vorbereitet werden!

Lesen Sie weiter unter dem Menüpunkt Verkehrstherapie, wenn Sie dieses Phänomen nachvollziehen können wollen.

Tricks und Geheimwissen

Viele erwarten jetzt sicher, dass man bei mir allerlei Tricks und Geheimwissen bekommt. Hier muss ich aber enttäuschen, denn so primitiv ist die MPU dann doch nicht aufgebaut. Sie ist im Gegenteil sogar ein sehr weit in die Tiefe reichendes und durchstruktiertes Gebilde. Kein Wunder, denn schließlich gibt es sie ja auch bereits seit 1955, und vieles wurde verfeinert und optimiert. Ein paar simple "Tricks" helfen da nicht weiter, und geheim ist das dahinter steckende Wissen auch nicht.

Sie erinnern sich, dass ich mich sehr über meinen »sturen Therapeuten« geärgert hab, den ich ja für was ganz anderes anheuern wollte? Genau hier möchte ich ansetzen: Ich sehe keinen Grund, warum Sie nicht wissen sollten, nach welchen Kriterien Sie der psychologische Gutachter begutachten und einstufen wird. Mit meinem Verkehrstherapeut war ich vor allem deshalb so unzufrieden, weil ich nur das Gefühl hatte, dass unabsehbar lange bloß im Nebel rumgestochert wird. Ich kam mir auch nach mehreren Stunden kaum sicherer und besser vorbereitet vor als am Anfang. Das war deshalb sehr störend für mich, weil ich absolut keine Lust hatte mich irgendwelchen »therapeutischen Künsten« anzuvertrauen, deren Qualität ich nicht einschätzen konnte.

Auf den Punkt gebracht:

Ich meine, wenn es nun schon mal sehr detaillierte Richtlinien gibt, an die sich der Gutachter halten muss, dann ist es nur fair, dass sie derjenige, der danach beurteilt wird, auch kennt! Alles andere kann sich ja nur auf dem Niveau von Taschenspielertricks bewegen. Ich bin nicht der Ansicht, dass der MPU-Klient auf eine Art und Weise bedient werden sollte, die ihm gar nicht das liefert, was er vom Verkehrstherapeut kaufen möchte (ja, kaufen, denn schließlich zahlt er ja dafür!).
Jede MPU-Vorbereitung, die sich an der Vorgabe du sollst nicht merken wie der Gutachter arbeitet orientiert und darauf baut, dass Sie schon selber ganz nebenbei das Richtige erkennen werden, ist in meinen Augen eine Mogelpackung. Wer für die korrekte Erledigung seiner Arbeit einen solchen »Schutz« braucht, ist meiner Meinung nach seiner Aufgabe nicht gewachsen.


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