Die MPU-Grundlagen verstehen

Was dieser Beitrag behandelt:

Wer zur MPU muss, hat sich irgendetwas "geleistet", wodurch er nach Ansicht der Führerscheinstelle eine besondere Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellt. Ein solcher Gefährder darf im Interesse der Allgemeinheit nicht weiter am Straßenverkehr teilnehmen.

Die MPU ist nicht als Strafe gedacht (auch wenn das sicher viele so empfinden). Sie soll dem Kandidat Gelegenheit geben zu belegen, dass er jetzt keine Gefahr mehr für Andere bedeutet. Aufgabe des MPU-Gutachters ist es eine Prognose über das künftige Verhalten abzugeben. Nur mit einer positiven Prognose werden Sie wieder zum Straßenverkehr zugelassen.

Die MPU ist der einzige praktikable Weg, um den Führerschein in absehbarer Zeit wieder zu erlangen!

Die Ausgangslage verstehen

Wie oben erklärt ist eine positive Prognose notwendig. Was der MPU-Gutachter dabei leisten soll ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe:

Ich meine, man braucht nicht viel Fantasie um zu erkennen, dass eine solide Prognose unter diesen Voraussetzungen kaum zu schaffen ist. Die Rückfallquoten belegen das deutlich.

Um den Gutachter nicht ganz im Regen stehen zu lassen, hat sich eine Expertengruppe darauf verständigt, recht detaillierte Vorgaben zu machen wie er vorzugehen hat - ein "Gerüst" für seine Begutachtung also gewissermaßen. Meiner Ansicht nach löst das das Hauptproblem nicht wirklich. Die Qualität der Prognose wird nur minimal besser.

Was bedeutet das für Sie?

  1. Das Gespräch mit dem psychologischen Gutachter ist der Dreh- und Angelpunkt der MPU schlechthin.
  2. Durch die relativ engen Vorgaben, an die sich der Gutachter halten muss, wird das Gespräch in der Vorbereitung besser planbar. Bösen Überraschungen kann man mit guter Vorbereitung weitgehend aus dem Weg gehen.
  3. In meiner Vorbereitung orientiere ich mich so eng wie möglich an den verbindlichen Begutachtungs-Richtlinien.

Die MPU-Fragestellungen

Die Führerscheinstelle formuliert mehr oder weniger ausführlich die Fragen, die der Gutachter als Grundlage für seine Prognose beantworten muss. Wie diese Fragen genau lauten, das muss Ihnen in dem Schreiben mit der MPU-Aufforderung mitgeteilt werden. Da es sich dabei um die Formulierung der Aufgabe des Gutachters handelt, sollten Sie dieses Schreiben unbedingt aufmerksam durchlesen!

Ein absolutes Muss:
Der Blick in die Führerscheinakte

Es kommt immer wieder vor, dass ein Klient - aus welchen Gründen auch immer - zur MPU antritt ohne vorher seine Führerscheinakte genau angesehen zu haben. Machen Sie das nicht! Die Führerscheinakte ist nämlich die Basis der gesamten Begutachtung. Der Gutachter erwartet deshalb von Ihnen, dass Sie den Inhalt dieser Akte im Detail kennen. Wenn er im Lauf des Gesprächs merkt, dass Sie sich nicht einmal die Mühe gemacht haben Akteneinsicht zu nehmen, macht das einen sehr schlechten Eindruck und Sie haben schon halb verloren!

Sehr wichtig ist die genaue Kenntnis des Akteninhalts auch deshalb, weil der Gutachter nur dann seine Prognose abgeben darf, wenn zwischen dem Akteninhalt und dem, was Sie berichten, nirgends ein Widerspruch besteht. Das hat auch seinen guten Grund: Da die für die Begutachtung zur Verfügung stehende Zeit so wie so mehr als knapp ist, wird hier ein sinnvoller Riegel vorgeschoben: Wenn der Gutachter nämlich auch noch solche Unstimmigkeiten klären müsste, würde ja noch weniger Zeit bleiben. Deshalb hat man beschlossen, dass der Akteninhalt als verbindlich zu betrachten ist und jede Abweichung davon als k.o.-Kriterium für die Prognose anzusehen ist.

Die Struktur des Gesprächs verstehen

Die Grundstruktur des Gesprächs mit dem psychologischen MPU-Gutachter besteht aus zwei Komponenten:

  1. Was ist vorgefallen und wieso kam es dazu?
  2. Was haben Sie geändert, so dass das frühere Problemverhalten nicht mehr auftreten wird?

Bedenken Sie: Sie müssen jetzt zur MPU, weil Sie etwas angestellt haben, das aus der Sicht der Führerscheinstelle als eine besondere Gefahr eingestuft wird. Es kann gut sein, dass Sie selbst der Ansicht sind, das sei alles gar nicht gefährlich gewesen. Ihre Privatmeinung interessiert bei der MPU aber genau so wenig wie das Schwarze unterm Fingernagel! Wenn Sie eine positive Prognose erreichen wollen, kann das nur gelingen, wenn Sie sich bedingungslos auf die Argumentation und Sichtweise der MPU einlassen.

Mit Reue und Entschuldigungen können Sie den Gutachter aber nicht beeindrucken. Statistisch gehören Sie nämlich zu einer extrem kleinen besonderen Problemgruppe: Nur 0,15 % der Führerscheininhaber müssen zur MPU antreten.

zu Teil 1 des Gesprächs:

Ich meine, es ist nachvollziehbar, wieso der Gutachter das wissen will. Für seine Prognose möchte er ja verstehen, warum Sie sich so verhalten haben (zur Erinnerung: nur 0,15 % tun das!). Wenn es Ihnen nicht gelingt ihm Ihr Verhalten verständlich zu machen, liegt natürlich der Schluss nahe, dass Ihnen selber anscheinend noch nicht ausreichend klar ist, warum Sie sich so verhalten haben. Wenn Sie aber noch gar nicht klar wissen, wovor Sie sich in Zukunft in Acht nehmen müssen, dann ist keine positive Prognose möglich!

zu Teil 2 des Gesprächs:

Ohne handfeste Veränderungen ist bei der MPU kein Blumentopf zu gewinnen. Veränderung meint aber nicht nur das alte Problemverhalten im engeren Sinn, sondern es wird erwartet, dass die Veränderungen weit bis in Ihre Lebenszusammenhänge reichen, denn nur so ist erfahrungsgemäß langfristige Stabilität zu erwarten. Es überrascht nicht, dass sich viele Klienten hier schwer damit tun, nicht nur an der Oberfläche zu bleiben mit Versprechungen wie "Ehrenwort, ich werd's ganz bestimmt nicht wieder tun!" Auch die Beteuerung, dass Sie den Führerscheinverlust als etwas sehr Schlimmes erlebt haben, beeindruckt den MPU-Gutachter nur recht wenig.

Zusammenfassung

Ich hoffe, ich konnte deutlich machen, was bei der MPU auf Sie wartet und auch, welche Überlegungen dahinter stecken. Vielleicht haben Sie auch einen Eindruck davon bekommen, dass es nicht zum Erfolg führen kann, wenn man die MPU auf die leichte Schulter nimmt. "Ich sag einfach die Wahrheit" hilft nicht weiter, denn es geht nicht um die Wahrheit bei der Begutachtung, sondern Hintergründe für das Problemverhalten sind gefragt und im zweiten Teil überzeugende Berichte die durchgeführten Veränderungen betreffend.

Durch die relativ engen Vorgaben, an die sich der Gutachter bei seiner Arbeitsweise halten muss, verliert die ganze Sache aber einen guten Teil seines Schreckens, wenn man entsprechend professionell vorbereitet antritt.

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