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Kontrolliertes Trinken, Leberwerte und die Alkohol-MPU

Jeder der verschiedenen MPU-Typen (Alkohol, Drogen, Punkte, Straftaten) hat seine Besonderheiten. Bei der Alkohol-MPU sind die Leberwerte und der Begriff »kontrolliertes Trinken« von zentraler Bedeutung. Mit diesem Beitrag möchte ich die häufigsten folgenschweren Missverständnisse ausräumen.

Wem eine Alkohol-MPU bevor steht und wer nicht völlig unvorbereitet (sprich: ohne Aussicht auf Erfolg) dort antritt, dem wird der Begriff Leberwerte nicht ganz fremd sein, und kontrolliertes Trinken sollte er auch schon mal gehört haben. Wenn Sie einer der Unglücklichen sind und Ihr Wissensstand damit schon erschöpft ist, sollten bei bevorstehender MPU alle Alarmglocken schrillen: negatives Gutachten droht!

Warum kontrolliertes Trinken so wichtig ist

Wer eine Alkohol-MPU machen muss, hat bereits gezeigt, dass er Fahren und Alkohol nicht trennen kann oder will. Bevor man so jemanden wieder als Verkehrsteilnehmer auf die Allgemeinheit loslässt, muss er glaubhaft nachgewiesen haben, dass das jetzt anders geworden ist und es auch bleiben wird.

Anders als bei der Punkte-MPU ist bei der Alkohol-MPU der medizinische Teil deshalb keine reine Formalität. Der Verkehrsmediziner hat ein sehr waches Auge darauf, ob sich bei Ihren medizinschen Werten Hinweise auf Alkoholkonsum finden lassen. Weil die Leberwerte auf Alkoholgenuss ansprechen und eben einen in Zahlen messbaren Wert ergeben, stehen sie oben an.

Tipp: externer Link zu einer guten Zusammenstellung der verschiedenen Werte

Gute Leberwerte, die manch einem viel Anstrengung gekostet haben, sind aber noch nicht einmal die halbe Miete. Es ist zwar so, dass Sie mit schlechten Leberwerten wahrscheinlich im medizinischen Teil des Gutachtens scheitern werden, aber die eigentliche Hürde ist und bleibt das intensive Gespräch mit dem verkehrspsychologischen Gutachter (ca. 1 Stunde Dauer).

Kontrolliertes Trinken:

Was ist das genau?

Um die Alkohol-MPU zu bestehen gibt es nur zwei Wege: völlige Abstinenz oder kontrolliertes Trinken. Weil die Angabe, man sei abstinent, neuerdings 12-monatigen Nachweis (fast) zwingend verlangt und deshalb für die meisten unattraktiv sein dürfte, ist das sogenannte kontrollierte Trinken (normalerweise 6 Monate "Bewährung") die beliebtere Wahl (es sei denn, Abstinenz ist aus irgendeinem Grund zwingend verlangt).

Eine gar nicht so seltene Falle verbirgt sich aber im Verständnis des sogenannten kontrollierten Trinkens.

Weil es eine bekannte Tatsache ist, dass Alkohol enthemmt, gilt bei jedem Alkohol-MPUler das Trinken von Alkohol als Gefahr, weil er unter Alkoholeinfluss seine guten Vorsätze fallen lassen könnte. Kontrolliertes Trinken im Sinne der MPU läuft also darauf hinaus, sich ständig so weit selbst zu kontrollieren, dass man gar nicht so weit kommt, dass überhaupt eine nennenswerte Alkoholwirkung entsteht. Auch dann nicht, wenn das Auto außer Reichweite ist, denn Sie könnten ja plötzlich unter Alkoholeinfluss auf die abstrusesten Ideen verfallen, die dann in der Folge doch zum Fahren unter Alkohol führen...

Kontrolliertes Trinken, wie für die MPU dieser Begriff benutzt wird, hat nichts mit dem zu tun, was sich wohl die meisten Leute drunter vorstellen, wenn sie den Begriff zum ersten Mal hören, also Vorsicht!

ACHTUNG:
Bei der Alkohol-MPU werden Sie unweigerlich so behandelt, dass Sie eben so und nicht anders "funktionieren". Versuchen Sie gar nicht erst, darüber eine Diskussion zu beginnen, dass es bei Ihnen aus diesen oder jenen Gründen alles anders gewesen sei und Sie noch nie das geringste Problem mit Alkohol gehabt hätten; Sie haben schon immer alles im Griff gehabt usw.
Machen Sie sich bewusst, dass der Gutachter das nicht hören will, es Ihnen auch nicht glauben wird und dass Sie viel zu wenig Zeit haben, um eine nutzlose Diskussion zu führen.
Es ist emotional verständlich, dass Sie sich rechtfertigen wollen - aber Sie sägen damit an Ihrem eigenen Ast Ihres Gutachtens. Wenn Sie nicht nach den vorgegebenen Kriterien Einsicht in das Problem sauber präsentieren können, sind Sie durchgefallen - wie vorbildlich Ihre Leberwerte auch immer sein mögen!

Die MPU ist streng verhaltenstherapeutisch angelegt. Das heißt, es wird davon ausgegangen, dass der betreffende Mensch sein Verhalten nur zum kleinen Teil durch Vernunft steuert und überwiegend durch angenehme und unangenehme Empfindungen. Warum ist er trotz besserem Wissen unter Alkohol gefahren? Ganz klar: Er hatte irgendeinen wesentlichen Genuss dabei ("positive Verstärkung" heißt der Fachbegriff dafür). - Und er wird es natürlich wieder tun.

Für den Gutachter ist es wichtig, dass Sie als "Kontrolliert Trinkender" folgendes Verhalten an den Tag legen:

  • Die Alkoholmenge, die Sie sich erlauben dürfen, bleibt auch ohne Auto immer merklich unter der erlaubten Grenze.
  • Die Häufigkeist muss gering sein: am besten höchstens 2-3 Mal pro Monat.
  • Spontaneität ist ein rotes Tuch. Sie planen schon viele Tage vorher, wieviel - und am besten auch genau was - Sie trinken werden.
  • Sie dokumentieren alles akribisch genau, und jeder noch so geringe Schluck Alkohol sollte einen Anlass haben, der ihn rechtfertigt. Diesen Anlass haben Sie natürlich auch schon vorher überlegt.
  • Erwünscht ist auch ein Trinktagebuch, in dem Sie am Anfang zunächst nur festhalten, wann, was und warum Sie getrunken haben.
  • Das kontrollierte Trinken muss 6 Monate lang praktiziert worden sein, damit es der Gutachter als hinreichend stabil akzeptiert.

Falls Sie meinen, das sei weltfremd und so würde sich doch kein normaler Mensch benehmen, dann lassen Sie sich gesagt sein, dass so etwas eben ein typisch verhaltenstherapeutischer Ansatz ist. Es steht Ihnen frei, den Kopf drüber zu schütteln - aber wenn Ihnen am Führerschein wirklich gelegen ist, werden Sie kaum drum rum kommen.

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Aktualisiert am 27.8.2010

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