Sie müssen zur MPU wegen Drogen?

Was dieser Beitrag behandelt:

Die Drogen-MPU ist ähnlich angelegt wie die Alkohol-MPU, überrascht aber mit ein paar Besonderheiten.

Die erste Überraschung ist, dass man durchaus mit einer Drogen-MPU beglückt werden kann, ohne dass man überhaupt unter Drogen-Einfluss am Straßenverkehr teilgenommen hat. Das hängt mit den sehr eigenwilligen gesetzlichen Regelungen in diesem Bereich zusammen. Drogen werden unterschieden in weiche Drogen (gemeint ist Cannabis mit dem Wirkstoff THC) und in harte (Kokain, Heroin und eine Menge mehr). Wer diese Seite hier als Betroffener liest, wird natürlich wissen, dass Cannabis in Deutschland verboten ist (man darf es weder besitzen oder anpflanzen und erst recht nicht verkaufen), aber der Konsum nicht verfolgt wird. Daraus entsteht eine seltsame Grauzone, zu der auch die kuriose Tatsache gehört, dass kein Grenzwert für den Straßenverkehr gesetzlich festgelegt ist. Sobald es aber eine Grauzone gibt, heißt es bei der MPU meistens: Dieser Bereich wird zum Nachteil des Klienten gewertet.

Drogen-MPU: Gemeinsamkeiten

Wer Drogen konsumiert, ist zum Führen eines Kraftfahrzeugs nicht geeignet. Das hört sich hart an, wird aber tatsächlich in den meisten Fällen so gehandhabt. (Zu THC komme ich weiter unten noch genauer.) In der Praxis heißt das, dass jede Drogen-MPU als "Eintritskarte" Abstinenznachweise zwingend verlangt. Außer bei THC sind das so gut wie immer 12 Monate. Kein Wort davon, dass statistisch gesehen die Unfallhäufigkeit unter Alkoholeinfluss enorm viel höher liegt als unter Drogen - egal welche Droge. Wer mit 2‰ oder mehr unterwegs ist, hat gegenüber einem völlig nüchternen Verkehrsteilnehmer ein bis zu 200-faches(!) Unfallrisiko. Selbst harte Drogen erreichen nicht mal den Faktor 10.

Fakt ist: Alkohol ist die "Volks-Droge" schlechthin. Deshalb gibt es für Alkohol bei uns genau abgestufte Regelungen und Sanktionen, während für Drogen weitgehend Null-Toleranz gilt. Das kann man auf viele Weise kritsieren - aber helfen tut's hier nicht. Deshalb verzichte ich darauf, weiter drauf einzugehen.

Ein wesentlicher Unterschied zu Alkohol besteht auch im Punkt Gewöhnung: Wer mit 2‰ Alkohol erwischt wurde, muss diese Trinkfestigkeit durch ausreichend lange Gewöhnung erworben haben. Wer behauptet nie mehr als 3-4 Bier getrunken zu haben und die Trunkenheitsfahrt als totale Ausnahme darstellt, wird wegen mangelnder Glaubwürdigkeit bei der MPU scheitern.

Bei Drogen sieht das anders aus. Natürlich ist es sehr unwahrscheinlich, dass ausgerechnet gerade der Tag, an dem man erwischt wurde, auch das einzige Mal Drogenkonsum war. Es muss aber nicht erst eine viele Monate oder sogar Jahre Gewöhnungsphase wie bei Alkohol stattgefunden haben. Das ist deshalb wichtig, weil Sie genau hinschauen sollten, was aktenkundig ist. Es ist keine gute Idee völlig ohne Not alles mögliche aus der Vergangenheit auszuplaudern, mit dem Sie nie auffällig geworden sind und wovon der Gutachter also auch nichts wissen kann. Wer z.B. aktuell mit Cannabis aufgefallen ist und deshalb jetzt zur MPU muss, tut sich keinen Gefallen, wenn er ganz freimütig von weiter zurück liegenden Erfahrungen auch mit zig anderen Drogen berichtet.

SONDERFALL: Drogen-MPU wegen THC

Cannabis (also THC) wird als weniger spektakulär angesehen als die übrigen Drogen. Deshalb gibt es Sonder-Regelungen bei der MPU. Erstaunlich finde ich, dass bei konsequenter Trennung von THC-Konsum und Teilnahme am Straßenverkehr theoretisch sogar weiter gekifft werden darf, ohne dass das ein positives Gutachten verhindern muss. Ich rate aber drindend davon ab das zu versuchen: In meiner mehr als 10-jährigen Praxis habe ich keinen einzigen Fall erlebt, wo jemand unter diesen Voraussetzungen die MPU beständen hätte! - Theorie und Praxis scheinen hier also weit auseinander zu liegen.

Alkohol ist im Blut feststellbar und erreicht nach Abbau (ungefähr 0,1 bis 0,15 Promille pro Stunde) in absehbarer Zeit wieder den Wert Null. Auch Restalkohol ist damit kein Messproblem: Entweder liegt man bei der Blutprobe halt unter 0,5 oder nicht. - Von ähnlich sauberen Grenzen kann der Kiffende aber nur träumen.

Obwohl kaum streitig ist, dass die Wirkung eines Joints wesentlich kurzlebiger ist als die eines Alkoholrausches, hat der rauchende Konsument bei einer Kontrolle das Problem, dass außer dem unmittelbaren THC-Wert auch noch Werte für deutlich langlebigere Abbauprodukte ermittelt werden. Daraus werden dann gerne entsprechende Schlüsse gezogen und regelmäßige Konsumenten enttarnt. Hinzu kommt noch, dass der in der Rechtssprechung gebräuchliche Wert für THC, unterm dem keinerlei Wirkung mehr vermutet wird, sehr nieder angesetzt ist. Wer also Cannabis konsumiert und kein Risiko für den Führerschein eingehen möchte, sollte wirklich lange das Auto nicht anrühren (mindestens 24 Stunden werden oft gefordert).

Was bedeuten die meistens drei erhobenen Messwerte?

Wer in eine Kontrolle kommt, wird meistens auf folgende Messwerte überprüft:

zu 1.)
Einen offiziellen Wert wie bei Alkohol gibt es nicht. Man hat sich aber darauf geeignet, dass 1,0 ng/ml eine relevante Grenze ist. Wer 1,0 oder mehr hat, giit als "unter Drogeneinfluss". Es interessiert dabei niemandem, dass dieser Wert wesentlich niederer ist als bei Alkohol die 0,5‰-Grenze.

zu 2):
Gefährlich ist der 11-Hydroxy-THC-Wert. Immer dann, wenn 11-Hydroxy-THC nachgewiesen werden kann, muss der Konsum vor sehr kurzer Zeit stattgefunden haben. Erstaunlicherweise ist das wenig bekannt. Achten Sie also unbedingt sehr genau auf diesen Wert: Wer hier einen nachgewiesenen Wert hat und behauptet, er hätte zuletzt z.B am Vorabend konsumiert, entlarvt sich als Lügner und hat die MPU schon so gut wie verloren!

zu 3.):
Nur wenn dieser Wert nahe Null ist, wird das als einmaliger Probierkonsum gewertet. Da dieser Wert meistens 2 Wochen oder länger nachweisbar ist, kann echter Probierkonsum fast immer ausgeschließen werden. Es gibt aber noch zwei weitere Grenzen: Wenn der THC-Wert nahe Null liegt, ist die interessierende Grenze bei 75ng/ml. Bei THC > 1,0 liegt diese Grenze bei 150ng/ml. Wer darüber liegt, wird als Gewohnheitskonsument eingestuft.

Wichtige Unterscheidungen bei der MPU

Die Kombination der erhobenen Messwerte spielt eine große Rolle bei der Einordnung des Konsumverhaltens. Der THC-Wert wird vor allem vom aktuellen Konsum bestimmt. Ein merklicher Wert hier gilt entweder als Indiz für wenige Stunden zurück liegenden Konsum oder für sehr häufigen Konsum. Der wird noch mehr im THC-COOH-Wert sichtbar, der selbst bei mehreren Tagen Enthaltsamkeit beim Dauerkonsument noch deutlich erhöht bleibt.

Wo finden Sie sich am ehesten wieder:

Wenn Sie die Drogen-MPU wegen THC bestehen wollen, ist es wichtig, dass Sie auf keinen Fall etwas erzählen, das einfach von Ihren Messwerten her nicht sein kann. Wenn Sie das versuchen, stuft Sie der Gutachter sofort als unglaubhaft ein, und das negative Gutachten ist Ihnen sicher.

Vorsicht auch, wenn Sie "freiwillig gesprächig" waren (z.B. bei der Polizei) statt sich auf die Angaben Ihrer Personendaten zu beschränken. Schauen Sie in so einem Fall genau nach, was alles in Ihrer Führerscheinakte festgehalten wurde. Falls Sie was für Sie Ungünstiges ausgeplaudert haben, haben Sie jetzt ein besonderes Problem.

Die »verbotenen Worte«

Ganz besonders wenn es bei Ihnen nur um den Konsum von THC geht (also keine harten Drogen), gilt für Sie: Meiden Sie Begriffe wie Abhängigkeit oder Sucht wie der Teufel das Weihwasser! Wenn Ihre Messwerte unbestreitbar belegen, dass Sie ein fleißiger Konsument waren, dann haben Sie eben Missbrauch getrieben. Begeben Sie sich aber nicht auf das Glatteis, indem Sie berichten, dass Sie einfach wirklich nicht die Finger davon lassen konnten.

Auch Cannabis-Konsum kann problematisch werden

Man mag es verstehen oder auch nicht, aber es wird ein Unterschied gemacht, ob Sie Haschisch oder Marihuana zusammen mit etwas Tabak in Form einer von Hand gedrehten Zigarette geraucht haben oder dabei ein "Werkzeug" verwendet haben (Wasserpfeife, Bong usw.). Nach der Logik der MPU tut das ein harmloser Konsument nicht. Zusammen mit entsprechend ungünstigen Messwerten am Tag des Erwischt-Werdens wird dann schnell aus einem so "getunten" Joint eine fortgeschrittene Drogenproblematik. Vorsicht also, was Sie da berichten!

Positives Gutachten trotz weiterem Konsum?

So überraschend es klingen mag ist das prinzipiell tatsächlich möglich, wenn Sie es hinkriegen den Gutachter davon zu überzeugen, dass Sie den Cannabis-Konsum und die Teilnahme am Straßenverkehr radikal trennen. Auch wenn das also nicht unmöglich ist, würde ich es aber niemandem empfehlen. Mir ist bisher auch kein Fall bekannt, wo jemand damit durch kam. Wenn Sie es aber ausprobieren wollen: Unmöglich ist es nach den Begutachtungs-Richtlinien nicht, und ich bereite Sie gerne nach allen Kräften darauf vor - aber ohne Erfolgsgarantie natürlich!

Nur selten auch Konsum von Amphetamin o.ä.

Wenn Sie glaubhaft rüber bringen können, dass Ihr Drogenkonsum fast ausschließlich in Cannabis bestand, haben Sie die Chance, dass Sie auch beim (sehr seltenen!) Konsum anderer Drogen mit 6 Monaten Abstinenznachweis davon kommen (außer Bayern allerdings, die hier ihr eigenes Süppchen kochen).

Drogen-MPU mit harten Drogen

Auch wenn Sie mit so genannten harten Drogen erwischt worden sind (Heroin, Kokain, Opiate u.v.a.), ist die posiitive MPU durchaus kein Ding der Unmöglichkeit. Allerdings müssen Sie mehr Zeit mitbringen (unter 12 Monaten Abstinenz-Nachweis geht nichts) und je nach Substanz auch damit rechnen, dass sogar eine Entziehungskur gefordert werden kann.

Hier macht eine pauschale Angabe keinen Sinn, sondern es ist ein genauer Blick auf den Einzelfall nötig, um sagen zu können, wie Sie ein positives Gutachten erreichen. Grundsätzlich muss auch Substitution (z.B. durch Methadon) kein Hindernis für ein positives Gutachten sein. Allerdings werden dafür meistens weitere Auflagen gemacht, die aber zu schaffen sind.

Abstinenznachweise

Ganz ähnlich wie bei Alkohol kann Abstinenz durch Urin-Screenings oder Haaranalysen nachgewiesen werden. Eine Haaranalyse bei Drogen kann sogar für 6 Monate rückwirkend geltend gemacht werden. Das macht die Haaranalyse auch finanziell interessant. Sie sollten aber wissen, dass die Analytik bei Drogen inzwischen sehr weit fortgeschritten ist. Das kann im Extremfall zum Problem werden, wenn Sie selbst zwar nichts mehr konsumieren, sich aber häufig im "Kiffer-Umfeld" aufhalten. Es wird behauptet, dass es sogar nachweisbar sein soll, wenn Sie durch häufigeres Reiben der Haare z.B. an einer "verseuchten" Sofalehne durch passiven Kontakt die Haare verunreinigen. Es ist zwar strittig, ob das wirklich funktioniert, aber ich wäre zumindest sehr vorsichtig. Die Nachweisgrenze bei Drogen ist wesentlich niederer als bei Alkohol. Urin-Screenings sind in dieser Hinsicht nicht so heikel. Allerdings gibt es auch Untersuchungen, dass sich beim Verzehr von 2-3 Mohnbrötchen zum Frühstück beim Urin-Screening am Nachmittag ein positiver Wert für Opiate ergibt! In dieser Hinsicht ist dann eine Haaranalyse wieder weniger problematisch.

Aber das ist doch...

Es ist sinnlos, dass wir hier eine Diskussion beginnen wie sinnvoll oder sinnlos das ist. Ich verbreite hier auch nicht meine Privatmeinung (die tut nichts zur Sache), sondern ich beschreibe die Praxis der MPU und die möglichen Folgen. Und daran können Sie nun mal nichts ändern! Wenn Sie den Führerschein wollen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig als sich damit zu arrangieren, denn Sie sitzen hier nun mal eindeutig am kürzeren Hebel!

Einstufung D1 bis D4

Genau wie bei den anderen MPU-Fragestellungen erfolgt bei der Begutachtung eine Einstufung in eine "Schublade" nach der Schwere des Falles. D1 ist die schwerwiegendste Einstufung, D4 die harmloseste. Eine Besonderheit bei der Drogen-MPU besteht darin, dass es vier "Schubladen" gibt und nicht nur drei wie bei allen anderen Fragestellungen.

D4 ist eine Schublade, die meiner Erfahrung nach nur theoretisch existiert. Sie besagt, dass der Kandidat auch in Zukunft weiter Cannabis konsumieren will, jetzt aber sichergestellt sein wird, dass Konsum und Teilnahme am Straßenverkehr konsequent getrennt werden. Das hört sich zwar schön an, aber ich kenne keinen einzigen Fall dieser Art, der ein positives Gutachten erzielen konnte!

D1 bedeutet Abhängigkeit und entsprechend hoch sind die Anforderungen. In der Praxis läuft es darauf hinaus, dass zunächst eine Entziehungskur erfolgreich absolviert werden muss, bevor das Thema MPU überhaupt angegangen werden kann.

D2 und D3 liegen zwischen diesen beiden Extrempolen. Es würde zu weit führen, das hier weiter aufzudröseln, weil der Einzelfall für die Zuordnung eine ganz entscheidende Rolle spielt. Näheres ergibt sich im Zuge der Vorbereitung auf das Gutachter-Gespräch in meiner Vorbereitungsmaßnahme.

Fachärztliches Gutachten

Bevor eine Drogen-MPU fällig ist, kommt es oft vor, dass ein fachärztliches Gutachten verlangt wird. Das ist nicht einfach eine zusätzliche Schikane, sondern es kann bei günstiger Konstellation auch dazu führen, dass die Drogen-MPU überflüssig wird. Ich will aber nicht verschweigen, dass Sie sich beim fachärztlichen Gutachten viel kaputt machen und schwer zu beseitigende Knüppel für die MPU in den Weg werfen können!

Meine dringende Empfehlung:

Gehen Sie auf keinen Fall unvorbereitet in ein fachärztliches Gutachten! Es ist zwar weniger umfangreich als eine komplette MPU, aber daraus sollte man nicht den voreiligen Schluss ziehen, dass es harmloser ist und man weniger falsch machen kann. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn das fachärztliche Gutachten landet in Ihrer Führerscheinakte und wird natürlich vor der MPU vom dortigen Gutachter aufmerksam gelesen!

Ausführliche Infos dazu hier: Ärztliches Gutachten

Zusammenfassung

Die Drogen-MPU hat von der Struktur her starke Ähnlichkeit mit der Alkohol-MPU. Weil aber Alkohol in unserer Lebenswelt in gewissen Grenzen das gesellschaftlich akzeptierte Suchtmittel ist, Drogen aber generell als verboten gelten, hat das deutliche Auswirkungen darauf, welche Anforderungen bei der MPU gestellt werden.

Auch wenn Sie persönlich Ihr Vergehen, wegen dem jetzt die MPU ansteht, als kleines Kavaliersdelikt empfinden, dürfen Sie die Begutachtung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Mit solider Vorbereitung ist eine MPU wegen Drogen mit hoher Erfolgsaussicht zu schaffen. Es gibt aber hier besondere Fallstricke, die man kennen muss um sich nicht unwissend um Kopf und Kragen zu reden - also Vorsicht!