MPU-Fragen:

Auswendig lernen ist sinnlos!

Die Logik der MPU-Fragen verstehen:

Die große Schwelle, an der die meisten MPU-Kandidaten scheitern, ist das Gespräch mit dem psychologischen Gutachter. Es dauert eine volle Stunde und ist kein Kaffeeplausch.

Wahrscheinlich suchen Sie hier auch eine der »MPU-Fragenlisten«, die im Internet herumgeistern. Vergessen Sie's! Mit etwas auswendig Gelerntem kommen Sie bei der MPU nicht weit. Natürlich gibt es einige Fragen, die so oder ähnlich immer gestellt werden. Der springende Punkt ist aber, dass alles wie durch eine Linse auf Ihren individuellen Fall gesehen wird und erst als Ganzes betrachtet seinen Sinn macht.

Wenn Sie auf auswendig gelernte Standard-Antworten geben, geht das ins Leere durch den fehlenden Bezug auf Ihren Fall, der vom MPU-Psychologen immer als etwas Individuelles betrachtet wird.

MPU-Fragen sind nur die Oberfläche

Alle MPU-Fragen lassen sich einer der folgenden 5 »Ober-Fragen« zuordnen:

  1. Was genau ist denn vorgefallen?
    Der Gutachter sieht Sie zum ersten Mal und weiß am Anfang nur das, was in der Führerscheinakte steht. Das ist eine Menge Papier, aber inhaltlich oft herzlich wenig. Er möchte von Ihnen hören, wie Sie ihm die Delikte "verkaufen". Dabei können Sie schon eine Menge Schaden anrichten. Er wird nämlich auf Feinheiten achten, die Ihnen selbst gar nicht auffallen.
  2. Warum haben Sie sich so und nicht anders verhalten?
    Es wird vorausgesetzt, dass niemand »einfach nur so« seinen kostbaren Führerschein aufs Spiel setzt. Der Gutachter erwartet: Es muss für Sie irgendetwas gegeben haben, das in Ihrem Leben so wichtig war, dass Sie dafür sogar den Verlust der Fahrerlaubnis in Kauf genommen haben.
    Viele Klienten tun sich damit sehr schwer. Wenn Sie diesen Punkt aber nicht in allen Einzelheiten erklären können, ist kein positives Gutachten möglich! Die Begründung ist einfach: Wenn Sie nicht einmal selbst die entscheidenden Zusammenhänge kennen, dann wissen Sie auch nicht, wovor Sie sich in Zukunft in Acht nehmen müssen.
    Wie wichtig diese Frage ist sehen Sie daran, dass für diesen Teil volle 15 Minuten im Einzelgespräch vorgesehen sind!
  3. Was haben Sie verändert?
    Der schönste Vorsatz ist nicht viel wert. Das zeigen die statistischen Daten sehr deutlich. Der Gutachter erwartet mehr: Es müssen handfeste Veränderungen in Ihrem Lebensalltag stattgefunden haben. Und die müssen Sie ihm überzeugend präsentieren können.
  4. Warum haben Sie überhaupt etwas geändert?
    Wenn Ihre einzige Motivation der Führerschein ist, dann wird diese rein äußerliche Motivation sehr schnell wieder verschwinden, sobald Sie die MPU bestanden haben. Stabilität also gleich null.
    Es muss eine »Motivation von innen heraus« gegeben haben. Am besten gelingt das, wenn die stattgefundenen Veränderungen mit starken positiven neuen Erfahrungen verbunden sind. Viele Klienten tun sich mit dieser Frage aber sehr schwer das wirklich überzeugend zu präsentieren. - Auswendig gelernte Antworten? Auch hier wieder Fehlanzeige!
  5. Wie beugen Sie einem Rückfall vor?
    Menschen neigen dazu in schwierigen Lebenssituationen auf alte Verhaltensweisen zurückzugreifen. Das ist statistisch erwiesen. Viele Klienten weisen das weit von sich: "Ein Rückfall? Völlig ausgeschlossen, das kann bei mir gar nicht passieren!" Wer aber so argumentiert, der sägt fleißig am eigenen MPU-Ast: Nur wer hier nicht die Augen verschließt, sondern sich offen mit der Frage auseinandersetzt, wie eine »Glatteis-Konstellation« aussehen könnte, wird Warnsignale erkennen und eine geeignete Notfallstrategie einleiten können.

Warum MPU-Fragensammlungen am Kern vorbei gehen

Bei der MPU muss der Gutachter eine Prognose über Ihr zukünftiges Verhalten entwickeln. Weil aber jeder Mensch ein bisschen anders ist als alle anderen, kann es dafür keine fertige Fragensammlung von der Stange geben! Damit der Gutachter seine Prognose abgeben kann, führt er ja extra ein individuelles Einzelgespräch von ungefähr einer Stunde Dauer mit Ihnen. Er hat ein gewisses Raster, wie er dabei vorgeht (siehe die 5 Punkte oben), aber er wird ganz gewiss nicht eine starre Fragenliste abhaken! Wer das glaubt, der ist naiv.

Es wird zwar eine Menge Ähnlichkeiten geben in der Gesprächsführung, aber es wird bestimmt einige deutliche Unterschiede geben, was bei Ihnen ganz anders war als bei anderen MPU-Kandidaten. Genau diese Unterschiede sind es, die die entscheidende Rolle spielen und wo er intensiv nachhaken wird. Eine fertige Frage-Antwort-Kombination werden Sie dafür aber vergeblich suchen.

Was daraus folgt:

Falls Sie die Seite hier nur kurz überflogen haben, gehen Sie noch einmal zurück zu den 5 Fragengruppen und überlegen Sie sehr kritisch, ob Sie wirklich in die Tiefe gehende Antworten liefern können.

Die MPU besteht aus vier Bausteinen:

  • einem Fragebogen
  • der medizinischen Untersuchung
  • den Reaktionstests
  • dem Gespräch mit dem psychologischen Gutachter

Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Bei den meisten Reaktionstests genügt es z.B., wenn Sie nur 16% der möglichen Punktzahl schaffen. Ganz anders sieht es aber mit dem Gutachtergespräch aus: Die 5 Fragengruppen bauen aufeinander auf. Ich erkläre es am Beispiel einer Leiter: Wenn Sie es nicht bis oben hin schaffen, ist es belanglos, ob bei Ihnen die 5., die 33. oder erst die 91. Sprosse durchgebrochen ist.

Beim Gutachtergespräch müssen Sie 100% schaffen - nicht ein bisschen weniger!

Ich hoffe, sie haben eingesehen, warum das Pauken von einer »garantiert echten MPU-Frageliste« nach der anderen gar nicht zum Ziel führen kann - schon der Ansatz ist falsch. Sparen Sie sich diese Zeit und wählen Sie lieber gleich eine effektive und ausgereifte Vorbereitung!


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