Verkehrstherapie als MPU-Vorbereitung

Was dieser Beitrag behandelt:

Verkehrstherapie zur MPU-Vorbereitung ist das, was standardmäßig empfohlen wird. Die meisten Betroffenen werden dem Begriff Verkehrstherapie wahrscheinlich zum ersten Mal begegnen und etwas skeptisch reagieren: "Wieso soll ich denn eine Therapie machen? Ich bin doch nicht krank!"

Die Skepsis ist nicht unberechtigt. Ich will das in diesem Beitrag näher beleuchten.

Verkehrstherapie: Was erwartet Sie?

Kürzlich habe ich auf einer Psychologen-Homepage einen Satz gelesen, den man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen sollte:

In der Realität werden das zwar nicht alle Verkehrspsychologen in dieser Schärfe handhaben, aber der klassische »Hardcore-Verkehrstherapeut« wird sein Credo darin auf den Punkt gebracht sehen. Man könnte es auch so formulieren: Dein Führerschein interessiert mich nicht. Bei mir wirst du therapiert. Die MPU musst du dann auch ohne spezielle Vorbereitung schaffen.

Ganz schön starker Tobak, finde ich…

Der Verkehrstherapeut und sein Selbstverständnis

Dazu muss ich etwas weiter ausholen: Es gibt keine Festlegung auf welcher Therapieschule Verkehrstherapie erfolgen muss. In der Realität ist sie meistens ein Seitenzweig der Verhaltenstherapie. Deren Arbeitsbereich ist sehr breit gefasst. Es gibt fast nichts, wozu Verhaltenstherapie sich nicht kompetent fühlt. Sie ist in der westlichen Welt die mit großem Abstand am weitesten verbreitete Therapieform. Grundlage der Verhaltenstherapie ist die Lernpsychologie (konkreter: Behaviorismus).

Grundannahmen - etwas Psychologie…

Es wird vorausgesetzt, dass menschliches Verhalten erlernt ist und auch durchaus in anderer Form neu gelernt werden kann. Von zentraler Bedeutung sind dabei Verstärker. Damit sind "Reize" gemeint, die als angenehm oder unangenehm erlebt werden. Was ein Reiz ist, kann vom banalen Schmerzreiz (Finger verbrennen) bis zu sehr komplexen sozialen Reizen (z.B. Lob, Tadel, Abweisung) reichen. Ein Verstärker kann nicht nur darin bestehen, dass ein angenehmer Reiz erfolgt, sondern er kann auch darin bestehen, dass ein unangenehmer Reiz entfernt wird.

Es gibt viele Möglichkeiten

Wikipedia schreibt: "Der eingebürgerte Begriff Verkehrstherapie ist unscharf und nicht eindeutig definiert." Das bedeutet, dass Sie nicht erwarten können, dass alle, die sich als Verkehrstherapeut verstehen, die gleiche Arbeitsweise und das gleiche Selbstverständnis haben werden.

Was folgt daraus?

Relativ viele Verkehrstherapeuten verstehen sich in erster Linie als Therapeut, die mit klassischen Methoden der Verhaltenstherapie arbeiten. Einsicht wird als etwas recht "Wackeliges" angesehen: Ich kann etwas verstandesmäßig durchaus als vernünftig einsehen, mich aber trotzdem ganz anders verhalten (typisches Beispiel: Rauchen). Es läuft darauf hinaus, dass meiner so schönen Einsicht einfach irgendein dahergelaufener Verstärker in die Quere kommt und das Verhalten umlenkt.

»Du sollst nicht merken«

Das ist ein erstaunlich weit verbreiteter therapeutischer Ansatz: Es wird versucht den Klienten möglichst trickreich so zu "steuern", dass er glaubt, er wäre auf alles selber drauf gekommen. Die klammheimliche Hoffnung dabei ist, dass die so erreichte Einsicht zu einer stabileren Verhaltensänderung führt. Statistisch nachweisbar ist das nicht. Und ich finde es mehr als albern und völlig unangemessen mit nicht psychisch massiv gestörten erwachsenen Menschen so umgehen zu wollen.

VORSICHT!

Wenn Sie an einen so arbeitenden Verkehrspsychologen geraten - und davon gibt's nicht wenge - sollten Sie sich auf eine lange Maßnahme mit vielen Einzelsitzungen gefasst machen (die natürlich schön brav stundenweise abgerechnet werden).

Meine Empfehlung:

Werfen Sie Ihr Geld nicht so sinnlos zum Fenster raus! Es gibt viele therapiebegleitende Untersuchungen. Alles spricht dafür, dass es weitgehend belanglos ist, mit welcher Therapieform gearbeitet wird, solange die relevanten Inhalte korrekt vermittelt werden. Nichts spricht dafür, dass die "Nicht-merken-Methode" auch nur ein kleines bisschen erfolgreicher wäre.

Mein verkehrspsychologischer Ansatz

Verkehrstherapie ist keine eigenständige Disziplin. Sie ist nur eng verbunden mit der MPU sinnvoll. Und die MPU macht man nicht eben mal so zum Spaß. Wer da antritt, der hat ganz klar ein Ziel vor Augen: den Führerschein. Alles andere ist Augenwischerei.

Es ist naiv zu glauben, dass auch nur ein einziger Klient zum Verkehrspsychologen kommt, weil er ein Problem therapeutisch bearbeiten möchte. Nein. Er kommt wegen dem Führerschein, sonst nichts!

Beispiel: Alkohol oder Drogen

Zweifellos gibt es MPU-Klienten, die hier ein massives Problem haben und denen das auch bewusst ist. Wer ernsthaft daran arbeiten möchte geht dazu aber nicht zum Verkehrstherapeut, sondern er wird sich ein suchttherapeutiches Angebot suchen. Zum Verkehrstherapeut geht er zusätzlich wegen seinem Führerschein.

Die Karten müssen auf den Tisch!

Es ist unseriöses Geschäftsgebahren, wenn man einem Klienten stillschweigend etwas ganz anderes verkauft als der zu bekommen glaubt. »Du-sollst-nicht-merken« Verkehrstherapie-Ansätze gehören hier dazu.

Zusammenfassung:

Der MPU-Klient hat als zahlender Kunde ein Recht darauf zu wissen, was er einkauft. Deshalb kläre ich zuerst ab, worin das Ziel meiner Maßnahme (die schnellstmögliche Wiedererlangung des Führerscheins) besteht und wie es erreicht werden soll. Es versteht sich von selbst, dass in meiner MPU-Vorbereitung auch solche Punkte zur Sprache kommen müssen wie Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer und Einsicht in das Problematische des Verhaltens im Verkehr. Das ist einfach wesentlicher Teil der MPU.

Ich werde aber ganz bestimmt nicht um den heißen Brei herum reden, sondern ganz konkret darlegen wie das Gespräch bei der Begutachtung ablaufen wird und welches Raster hinter welchen Fragenthemen steht.

Die MPU hat einen hohen Anspruch: Einzelfall-Begutachtung mit dem Ziel einer Prognose über künftiges Verhalten. Dafür gibt es sehr detaillierte Richtlinien. Deshalb finde ich es nur konsequent, dass der MPU-Klient von mir über diese Richtlinien und ihre Konsequenz in allen Einzelheiten informiert wird.

Sehr wichtig ist mir auch, dass die Kommunikation in meiner MPU-Vorbereitung auf Augenhöhe erfolgt und nicht durch mich verdeckt irgendwelche Manipulationen vorgenommen werden. Die Methode, nach der ich arbeite, hat auch einen offiziellen Namen: Es ist ein kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansatz.