Ist Wahrheit bei der MPU Trumpf?

Ein häufiges Missverständnis

Kurz-Zusammenfassung:

Viele denken: "Ich sag einfach die Wahrheit, dann muss ich ja durchkommen bei der MPU." Das ist ein gefährlicher Irrtum.

Ass

Vor Gericht sind Wahrheitsfindung und Strafe das große Thema, aber nicht mehr bei der MPU. Hier geht es um die Prognose Ihres zukünftigen Verhaltens. Dafür sind Aufarbeitung, Motivation und Veränderung wichtig.

Wer zur MPU muss, ist durch bestimmte Verhaltensweisen im Straßenverkehr aufgefallen, die als starke Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer gelten. Es ist nicht anzunehmen, dass die Verkehrsverstöße rein zufällig oder aus Versehen geschehen sind. Mit sehr wenigen Ausnahmen sind sie ganz bewusst erfolgt - vorsätzlich also. Aber auch derjenige, bei dem es sich nur um Unaufmerksamkeit gehandelt hat, steht nicht besser da, denn auch Unfälle aus Unachtsamkeit können Menschenleben kosten. Ein Hans-guck-in-die-Luft hat im Straßenverkehr nichts verloren!

Ziel der MPU ist es, für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen und diejenigen »aus dem Verkehr zu ziehen«, die durch ihr Verhalten eine besondere Gefahr darstellen. Dass Sie zu dieser Problemgruppe gehören, daran ist nicht mehr zu rütteln, denn sonst würden Sie ja jetzt nicht zur MPU müssen - so die Logik, gegen die Sie nicht angehen können. Das, was die meisten Kandidaten unter »die Wahrheit sagen« verstehen, beschränkt sich auf bereuen und schöne Vorsätze. Oft wird nicht einmal wahrgenommen, dass vom psychologischen Gutachter Fragen gestellt wurden, auf die sie die Antwort schuldig bleiben mussten oder die sie nur viel zu allgemein beantworten konnten.

Der MPU-Gutachter soll ja eine Prognose abgeben. Dafür muss er einschätzen können, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie auch in Zukunft bei Ihrem gefährlichen Verhalten bleiben werden. Reue und schöne Vorsätze sind da kein brauchbares Kriterium, weil ja kaum jemand kommen wird und erklären: "Doch, ich werde das auch in Zukunft so machen!"

Handlungsgründe sind gefragt ...

Statt Versprechungen - gaaaanz großes Indianer-Ehrenwort! - interessieren den Gutachter die Gründe für Ihr Verhalten. Er setzt voraus, dass es Ursachen für Ihr Verhalten gegeben haben muss, so dass Sie zur Problemgruppe 1 von 1000 gehören (nur ungefähr jeder Tausendste muss nämlich zur MPU).

Sie werden bei der MPU nicht an einen Lügendetektor angeschlossen. Was vorgefallen ist, das steht ja sowieso in der Führerscheinakte. Der Gutachter erwartet von Ihnen aber die sorgfältige Aufarbeitung, warum es dazu kam. Er vermutet für Ihr Verhalten handfeste Hintergründe, die oft in ganz anderen Bereichen Ihres Lebens liegen können. Wer naiv antritt nur mit der Wahrheit im Köfferchen, der wird von der Art der Fragen sehr überrascht sein. Sie werden ihm die Sprache verschlagen. Die Antworten auf solche Fragen sind alles andere als einfach und müssen gut vorbereitet sein.

... und Veränderungen

Eine positive Prognose können Sie nur dann bekommen, wenn Sie nicht einfach nur behaupten, dass Sie's nicht wieder tun werden. Warum sollte der Gutachter Ihnen das glauben? Sie hätten schließlich schon lange Ihr Verhalten ändern können, dann müssten Sie jetzt nicht zur MPU. Deshalb will er entscheidende Änderungen in dem Lebensbereich geboten bekommen, der vorher bei der Frage nach den Handlungsgründen der problematische Bereich war.

Sie sehen also, dass auch das gut vorbereitet sein muss, damit Sie überzeugend wirken können, denn auch das ist nötige Voraussetzung für eine positive Prognose.

Was daraus folgt:

Der Gutachter erwartet ganz klar von Ihnen, dass Sie sich auf das Gespräch mit ihm gründlich vorbereitet haben, indem Sie sich genau die Fragen gestellt haben, die er Ihnen gleich stellen wird. Es ist vollkommen normal, dass ohne die entsprechende Aufarbeitung die Antworten nicht einfach so hervor sprudeln, denn es sind Fragen, die Sie sich vorher vielleicht noch nie gestellt haben. Sonst wäre es nämlich wahrscheinlich zu dem Problemverhalten gar nicht gekommen.

Nicht die Frage nach der Wahrheit steht im Vordergrund, sondern die nach den Ursachen und den durchgeführten Veränderungen. Beides schüttelt man ohne gute Vorbereitung nicht mal so eben aus dem Ärmel.



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