MPU - Strategie und Taktik

Kurz-Zusammenfassung:

Was es mit der Wahrheit bei der MPU so auf sich hat, das konnten Sie weiter oben (Menü links) ja schon lesen. Ein Frage, die mir häufig gestellt wird, ist die nach der optimalen »Strategie« oder »Taktik« bei der MPU. Lesen Sie deshalb hier Näheres dazu.

Begriffsklärung

Strategie und Taktik, ist das nicht so ziemlich dasselbe? Nein, nicht ganz: Die Strategie ist etwas Längerfristiges, ein übergeordnetes Konzept gewissermaßen. Bezogen auf Ihre MPU-Vorbereitung ist es sozusagen der rote Faden für Ihr Gespräch mit dem Gutachter. Der ist deshalb sehr wichtig, damit Sie sich nicht verunsichern lassen und zu jedem Zeitpunkt genau erkennen können, wo Sie gerade stehen. Die Taktik betrifft Ihre Reaktion auf die einzelne Frage bei der MPU und ist selbstverständlich immer unter dem Aspekt Ihrer Strategie zu sehen. Beide hängen also eng zusammen, meinen aber nicht das Gleiche.

Die Frage nach der Strategie

Aha, Strategie für die MPU, das bedeutet also, wie und wo ich die Wahrheit sagen soll und wo ich lieber lügen soll, oder?

Nein, so habe ich das nicht gemeint. Ich rate meinen Kunden schon, dass sie so weit wie möglich bei der Wahrheit bleiben sollen, weil das der beste Schutz davor ist sich im Gespräch in Widersprüche zu verwickeln. Sie sollten dabei aber immer bedenken, dass Sie einem GUTACHTER gegenüber sitzen und nicht einem Therapeut. Es wäre ein sehr naiver Irrtum, wenn Sie vom MPU-Gutachter so was ähnliches wie therapeutische Hilfe erwarten. Das ist nicht seine Aufgabe.

Strategie

Oft hört oder liest man, dass der Gutachter ja neutral sein muss. Das stimmt aber nur sehr begrenzt. »Neutral« heißt nur, dass er Sie nicht gezielt aufs Kreuz legen und auch nicht einfach nach der Form Ihrer Nase beurteilen darf, aber das ist auch schon alles. Wenn man etwas genauer hinschaut, merkt man nämlich bald, dass er nicht auf Ihrer Seite stehen kann, denn bei der MPU geht es ja darum Gefahren abzuwenden. Diese Gefahren gingen ganz konkret von Ihrem problematischen Verhalten aus. Der Anspruch der Allgemeinheit auf Schutz wiegt schwerer als Ihr individuelles Interesse, bald wieder fahren zu dürfen. Der Gutachter darf deshalb erst dann auf Ihrer Seite stehen, wenn Sie ihn ganz klar überzeugen konnten, dass jetzt und in Zukunft keine Gefahr im Straßenverkehr mehr von Ihnen ausgeht.

Zurück zum Thema Wahrheit

Es ist eine schwierige Gratwanderung, weil Sie bei der MPU ja aufgeschlossen und gesprächsbereit sein müssen, damit er Sie überhaupt begutachten kann und nicht gleich nach der sogenannten Hypothese Null der MPU abgelehnt werden müssen. Vor Gericht kann es ja manchmal die bessere Taktik sein überhaupt nichts zu sagen und eisern zu schweigen, um sich nicht selbst zu belasten - aber bei der MPU ist das unbrauchbar, weil dann sofort ein negatives Gutachten folgen würde. Nicht lügen ist die eine Sache, aber mindestens genau so wichtig ist die Strategie, die Sie dabei fahren. Einfach treu-naiv drauf los plappern und alles erwähnen, was man jemals im bisherigen Leben überhaupt angestellt hat, ist fast immer stark zu Ihrem Nachteil, weil Dinge zur Sprache kommen, die zu untersuchen eigentlich gar nicht Aufgabe des Gutachters gewesen wäre. Wenn Sie allerdings selber das aus freien Stücken ansprechen, dann darf und muss er eventuell auch weiter nachfragen.

In Ihrem individuellen Interesse ist also eine Strategie, bei der Sie nicht ein einziges heikles Krümelchen mehr auf den Tisch werfen, als sowieso nicht zu verbergen ist oder das eben sowieso wichtiger Bestandteil Ihres roten Fadens ist. Diese Krümelchen sind es nämlich meistens, auf die sich der Gutachter stürzt, weil sie sein "Futter" darstellen, aus dem er ableitet, wie welche Ihrer Auffälligkeiten genau einzustufen ist. Beispiel: Oha, hat schon mal einen Filmriss oder sogar eine Alkoholvergiftung gehabt? Dann ist ja klar, in welche Schublade Ihr Trinkverhalten gehört...

Von zentraler Bedeutung: Ihre Führerscheinakte

Ich hoffe, der Unterschied ist klar geworden: Lügengeschichten bei der MPU sind schon deshalb keine gute Idee, weil der Gutachter natürlich Routine hat und täglich so was aufgetischt bekommt. Er weiß sehr gut, wie sich Widersprüche entlarven lassen und die Glaubwürdigkeit zu überprüfen ist. Deshalb mein dringender Rat, bei der Wahrheit zu bleiben. Verwechseln Sie aber Wahrheit nicht mit unkritischer Ausplauderei, wenn Sie sich nicht selber schaden wollen!

Was weiß der Gutachter? Nur das, was in der Führerscheinakte steht plus dem, was Sie ihm bei der Begutachtung erzählen. Beides zusammen ist die Grundlage der Begutachtung - die »Karten im Spiel« sozusagen. Am ersten Teil (Inhalt der Akte) können Sie nichts mehr ändern. Wenn überhaupt, dann hätten Sie das auf jeden Fall vor der MPU tun müssen. Es ist extrem wichtig, dass Sie den Inhalt Ihrer Führerscheinakte ganz genau kennen (Achtung: Führerscheinakte ist nicht die Flensburger Akte, sondern die Akte, die bei der für Sie zuständigen regionalen Führerscheinstelle liegt). Wenn Sie es versäumen Akteneinsicht zu nehmen, spielen Sie freiwillig mit sehr ungleichen Karten, weil Sie ja nicht oder nur sehr ungenau wissen, was der Gutachter auf der Hand hat und wozu genau er Sie befragen kann.

Auf den zweiten Teil haben aber Sie entscheidenden Einfluss. Deshalb sollte sehr gut vorbereitet werden, was Sie wie auftischen wollen. Selbstverständlich müssen Sie handfeste Fakten und Hintergründe liefern, damit Sie nicht als unkooperativ scheitern. Es gibt aber meistens eine so große Menge Einzelheiten und Feinheiten, dass im Gutachtergespräch niemals alles zur Sprache kommen kann. Deshalb besteht die gute Vorbereitung darin, dass Sie (immer eng an der Wahrheit dran) die »Gänge des Menüs«, das Sie vorgesehen haben, so zubereiten, dass alles perfekt zusammen passt und am Ende das positive Gutachten steht. - Ich will noch mal beim Beispiel Menü bleiben: Was zählt, ist das, was der Gast nachher auf dem Tisch stehen hat. Dass dem Koch leider die Soße angebrannt und das Gemüse verkocht war und neu gemacht werden musste, das braucht der Gast ja nicht zu erfahren...

Wo bleibt die Taktik?

Ihre Taktik sollte ebenfalls gut vorbereitet sein, Wenn Sie eine abgeschlossene und in sich stimmige Strategie für die Präsentation genau Ihres Falles und der erfolgten Veränderungen haben, dann können Sie ja in jedem Moment des Gesprächs überprüfen, wo Sie gerade eben stehen und wie stimmig das mit Ihrem roten Faden ist. Gute taktische Vorbereitung bedeutet vor allem, dass Sie wissen, wie Sie den Ablauf des Gesprächs am besten so beeinflussen können, dass das Gespräch nicht auf einem für Sie ungünstigen Nebengleis landet, das in einer Sackgasse endet.

Natürlich liegt die Gesprächsführung in der Hand des Gutachters, aber sie ist nicht beliebig, sondern muss in der begrenzten verfügbaren Zeit eine ganze Reihe fest vorgegebener Punkte abhandeln. Je klarer und in sich konsequenter Ihr roter Faden ist, umso besser und leichter werden Sie unangenehmen Nebengleisen aus dem Weg gehen können.

Das sollte bei Ihnen angekommen sein:

Sie sind dem Gutachter nicht hilflos ausgeliefert, wenn Ihre Vorbereitung stimmt. Was ich an den rein therapeutischen Ansätzen kritisiere ist, dass das Gespräch mit dem Gutachter überhaupt nicht oder nur sehr oberflächlich behandelt wird. Es wird nicht als Teil der Therapie verstanden. Die Annahme ist: Wenn die Therapie erfolgreich beendet wurde, dann wird das der MPU-Gutachter mit seinen »Instrumenten« schon erkennen. Diese Instrumente soll der Klient aber lieber gar nicht so genau kennen, weil das ja zu einer Verfälschung der »Messung« (also des Gutachtens) führen könnte.

Den Glauben an die zweifelsfreie Fähigkeit des Gutachters in allen Ehren, aber mir missfällt daran sehr, dass gar nicht berücksichtigt wird, dass es nun mal sehr unterschiedlich redegewandte und selbstischere Menschen gibt, und auch die Prüfungsangst und Nervosität wird nicht thematisiert. Ich meine, gerade für nicht alltägliche Situationen wie die MPU ist es besonders wichtig nicht ins kalte Wasser zu springen (wir werden ja sehen, ob er inzwischen schwimmen gelernt hat...), sondern das Ergebnis der sorgfältigen Aufarbeitung auch günstig präsentieren zu können und den Ablauf des Gesprächs vorab gut zu kennen.



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