Alles rund um Alkohol
Trunkenheitsfahrten sind die häufigsten Anlässe für eine MPU. Informieren SIe sich hier frühzeitig, damit Sie keine Zeit verlieren, falls bei Ihnen Abstinenznachweise nötig sind.
Das finden Sie hier:
Nicht erschrecken: Dieser Beitrag ist sehr lang! Das lässt sich nicht vermeiden, da das Thema Alkohol-MPU sehr umfangreich ist und es eine ganze Reihe von Stolperfallen gibt, die man kennen muss, um nichtsinnlos Zeit und Geld zu vergeuden.
1. MPU wegen Alkohol auf dem Fahrrad
Fast ein Viertel meiner Alkohol-Klienten waren mit dem Fahrrad unterwegs - Tendenz steigend. Ein besonderes Problem dabei ist die Ahnungslosigkeit. Viele erwischt es eiskalt, wenn der Brief mit der Aufforderung zur MPU im Briefkasten liegt. Nutzen Sie meine kostenlose Erstberatung um die wichtigsten Fragen zu klären!
Warum eine MPU auch für Fahrrad-Fahrer angeordnet werden kann
Alkohol auf dem Fahrrad: Man gefährdet doch bloß sich selber! Genau so hab ich auch immer gedacht. Dass das ein schwerer Irrtum ist, weiß ich seit August 2022 aber aus eigener schmerzhafter Erfahrung:
Selbst erlebt:
Nachts um zwei hat mich (Fußgänger) ein alkoholisierter Radfahrer in der Fußgängerzone frontal "umgenietet". Er hatte Licht an und ich dachte, der sieht mich doch. Ergebnis: Oberschenkel-Hals-Bruch!
Welche Folgen eine Alkoholfahrt auf dem Fahrrad hat
- Es liegt zwar in der Entscheidungsfreiheit der Führerscheinstelle, aber in den allermeisten Fällen wird der Führerschein nicht sofort einbehalten.
- Der entscheidende Grenzwert bei Trunkenheit auf dem Fahrrad liegt erst bei stattlichen 1,6 ‰.
- Auch ein E-Bike, bei dem man mittreten muss, gilt gesetzlich als Fahrrad.
- Was viele nicht wissen: Auch unter 1,6 ‰ auf dem Fahrrad kann man bereits fahruntüchtig sein. Das kann zu einem ernsthaften Problem werden, wenn man einen Unfall gebaut hat.
Wie ist der Begriff Fahrrad definiert?
Hier lauert eine böse Falle: Juristisch gilt nur das als Fahrrad, bei dem man zur Fortbewegung zumindest mit-treten muss. Das bedeutet, dass ein stärkeres E-Bike (Pedelec), das bis zu 45 km/h schafft, sowie ein E-Scooter (auch wenn er nur 20 km/h schafft) als Kraftfahrzeug gilt.
Das hat zur Folge, dass für solche Fahrzeuge die 0,5 ‰-Grenze gilt und nicht die 1,6 ‰-Grenze!
Häufige Fragen zur MPU nach einer Fahrradfahrt unter Alkohol
- Kann ich die Blutprobe verweigern?
Nein, eine Blutprobe darf notfalls auch gewaltsam erzwungen werden. Mehr aber nicht. Machen Sie keine Aussage und verweigern Sie vor allem alle Tests, die der Arzt durchführen möchte (auf einem Bein stehen, Finger an die Nasenspitze usw.). Je mehr Daten erhoben werden in diesem Zustand, um so schechter für Sie! - Ist BAK < 1,6 ein Freibrief für Alkohol auf dem Fahrrad?
Da ist Vorsicht geboten! 1,6 ‰ ist schon ein sehr stattlicher Wert, den Normaltrinker gar nicht erreichen ohne im Vollrausch unterm Tisch zu liegen. Wenn Sie durch Ihr Verhalten einen Unfall verursacht haben (z.B. weil Ihnen ein Autofahrer ausweichen musste), hilft es Ihnen auch nicht, wenn Sie noch deutlich unter der 1,6er-Grenze geblieben sind. - Ab wann ist man wirklich "gefahren"?
Davon kann es abhängen, ob Sie zur MPU müssen oder nicht. Wenn sie blutend aufgefunden werden neben dem beschädigten Fahrrad, spielt es eine große Rolle, ob Sie jemand hat fahren sehen. Wenn Sie sich nicht schon verplappert haben, können Sie ja behaupten, dass Sie das Rad nur geschoben haben. Irgendwann wurde Ihnen das zu blöd und Sie wollten doch fahren. So weit kam es aber gar nicht, weil Sie schon beim Aufsteigen gestürzt sind ohne einen einzigen Meter gefahren zu sein… - Kein Führerscheinentzug bei Alkoholfahrt per Fahrrad?
Das stimmt nicht. Es ist nur so, dass normalerweise der Führerschein nicht sofort entzogen wird. Es kann enorm lang dauern, bis die Führerscheinstelle von dem Vorfall erfährt. Wenn Sie 1,6 oder mehr Promille hatten, ist eine MPU zwingend vorgeschrieben. Machen Sie sich also keine falschen Hoffnungen.
Ein dringender Rat:
Informieren Sie sich unbedingt frühzeitig was noch kommen wird! Nur so können Sie vermeiden, dass der Führerschein ganz ohne Not doch noch verloren geht weil Ihnen die Zeit für eventuell nötige Abstinenz-Nachweise nicht mehr reicht.
2. Die Widmark-Formel
Die so genannte Widmark-Formel ist der Standard, auf den man sich für die Akohol-MPU geeignet hat, um rechnerisch ermitteln zu können, welche Trinkmenge Sie mindestens zu sich genommen haben müssen um den gemessenen Promillewert zu erreichen.
Bei der Alkohol-MPU besteht eine ganz wesentliche Frage darin, wie das Konsumverhalten des Kandidats ausgesehen hat. Diese Frage ist viel komplexer als es für den Laien aussieht. Man hat sich aber mit der Widmark-Formel auf eine recht überschaubare Variante geeinigt, die zwar keine extrem genauen Werte liefert, aber ausreichend genau für MPU-Zwecke.
Wovon hängt der ermittelte Promillewert ab?
Zunächst muss man einmal unterscheiden zwischen AAK und BAK. Mit AAK ist die Atem-Alkohol-Konzentration gemeint (also der Wert, der beim "Pusten" gemessen wurde). BAK steht dagegen für die Blut-Alkohol-Konzentration. Obwohl oft behauptet wird, dass die modernen Geräte AAK sehr genau bestimmen könnten, zählt im Zweifelsfall nur die BAK. Tatsächlich gibt es nämlich oft doch ganz erhebliche Abweichungen zwischen AAK und BAK. Wichtig ist auch noch zu wissen, dass der AAK-Wert verdoppelt werden muss, um BAK zu erhalten. Eine gemessene AAK von 0,25 bedeutet also BAK 0,50 und damit bereits Fahrverbot!
Schauen wir uns also die BAK an. Ein gemessener Wert von 1 Promille besagt einfach, dass in 1 Liter Blut 1 ml Alkohol festgestellt wurde. Klingt eigentlich nach eher wenig auf den ersten Blick. Man sollte aber nicht übersehen, dass der Alkohol unterwegs ins Blut seinen Weg durch den Körper absolvieren musste, wo bereits ein ganz erheblicher Anteil extrahiert und abgebaut wurde.
Pro 10 kg hat der Mensch ungefähr 1 Liter Blut. Wer 150 kg wiegt, bei dem wird die zugeführte Menge Alkohol in ca. 15 Liter Blut "vermischt". Wer nur 50 kg wiegt, bei dem sind es nur ca. 5 Liter Blut.

Man braucht nicht viel Fantasie um zu verstehen, dass die gleiche Menge Alkohol bei diesen beiden Menschen sehr unterschiedliche Auswirkung haben wird.
Das Körpergewicht spielt also eine wesentliche Rolle für den Promillewert. Ein weiterer Faktor ist das Geschlecht der Person: Beim Mann muss in der Widmark-Formel der Korrekturfaktor 0,7 verwendet werden, bei der Frau der Korrekturfaktor 0,6.
Berücksichtigt muss aber auch werden, wie viel Abbau bereits stattgefunden hat. Für die MPU wird meistens pauschal von 0,15 Promille pro Stunde ausgegangen wird.
Mit Widmark rechnen
Meistens ist ja die gemessene BAK bekannt und man möchte gerne wissen, wie viel Alkohol in Gramm mindestens konsumiert worden musste, um diesen Promillewert zu erreichen. Merken kann man sich das am besten in folgender flapsiger Form:
Alkoholmenge = Promille x Körpergewicht x Korrekturfaktor
Der Promillewert ist nicht die gemessene BAK, sondern der Wert muss durch den bereits stattgefundenen Abbau erhöht werden. Dazu folgendes Beispiel:
- Bei Herrn M. wurde BAK 2,00 Promille gemessen.
- Er wiegt 80 kg.
- Trinkbeginn war um 19.00
- Blutprobe war um 24.00
Für die Widmark-Formel ergibt sich daraus eine Abbauzeit von 5 Stunden. Es müssen also 5 x 0,15 = 0,75 Promille zur BAK dazugezählt werden. Als Mann hat er einen Korrekturfaktor von 0,7. Ergibt folgende Rechnung:
(2 + 0,75) x 80 x 0,7 = 154
Diese Rechnung ist aber noch nicht fertig. In der Realität muss man davon ausgehen, dass ungefähr 20 Prozent des zugeführten Alkohols auf dem Weg ins Blut "auf der Strecke" bleiben. Sie müssen also noch 20 Prozent auf den ermittelten Alkoholwert drauf schlagen:
Alkoholmenge = 154 x 1,2 = 184,8 Gramm
Es ist gerundet also davon auszugehen, dass Herr M. mindestens 185 g reinen Alkohol zu sich genommen haben muss, um die 2 Promille BAK erreicht zu haben.
Resorptionsdefizit
Darunter versteht man die gerade kennengelernten 20 % Verlust. Tatsächlich hängt die Höhe dieses Wertes davon ab, wie stark das konsumierte Getränk war. Bier hat ungefähr 5 % Alkohol, während Schnaps in der Größe von 40 % liegt. Bei dem hochprozentigen Getränk ist die Leber deutlich stärker gefordert. Sie schafft es deshalb nur rund 10 % des Alkoholanteils unschädlich zu machen, bevor er ins Blut gelangt. Beim deutlich schwächeren Bier liegt das Resorptionsdefizit dagegen bei rund 25 %.
Welche Menge?
Wenn Sie wissen wollen, welche Menge Getränke sich hinter dieser Zahl verbergen, können Sie angenähert von folgenden Werten ausgehen:
- 20 g Alkohol sind in 0,5 Liter Bier
- oder 0,2 Liter Wein
- oder 3 Schnäpsen zu 2 cl mit 40 Prozent vol. Alk.
Weit verbreiteter Irrtum
Beachten Sie dabei, dass es in der Widmark-Formel keine Rolle spielt, ob der Magen leer oder voll war. Das wird viele überraschen, aber tatsächlich spielt das nur eine erstaunlich geringe Rolle. Die zugeführte Alkoholmenge bleibt ja die gleiche. Es dauert bei vollem Magen lediglich etwas länger, bis der Alkohol im Blut ankommt. Subjektiv fühlt es sich zwar deutlich anders an, aber das liegt vor allem daran, dass bei leerem Magen der Alkohol schneller ins Blut gelangt. Dieser steilere Anstieg fühlt sich einfach anders an. Tatsächlich wird der gemessene Promillewert aber nur wenig davon beeinflusst. Deshalb hat man in der Widmark-Formel ganz drauf verzichtet.
Widmark-Berechnung:
Es geht auch noch einfacher: → HIER ← finden Sie eine Online-Version, die mir mal ein MPU-Gutachter geschickt hat mit dem Hinweis, dass er damit selber arbeitet.
3. Alkohol-Abstinenz
Die Notwendigkeit, dauerhaft auf Alkohol vollständig zu verzichten, ist nur selten medizinisch begründet (nämlich dann, wenn klassische Alkoholabhängigkeit vorliegt). Bei der MPU ist der Grund für Abstinenz-Notwendigkeit entweder eine Wiederholungstat Alkohol oder ein besonders hoher Promillewert. In beiden Fällen zeigt die Statistik, dass kontrolliertes Trinken nicht zuverlässig genug funktioniert.
- Warum wird Abstinenz oft gefordert?
- Welche Nachweise gelten, und welche Voraussetzungen müssen Sie erfüllen?
Ziel ist es, Betroffenen klare Orientierung zu geben, Missverständnisse zu vermeiden und die Chancen auf eine positive Bewertung maximal zu erhöhen.
Was bedeutet Abstinenz nach MPU-Verständnis?
Abstinenz ist ein Begriff, der aus dem medizinischen Umfeld stammt. Dort wird die Notwendigkeit von Abstinenz fast immer aus medizinischen / gesundheitlichen Gründen begründet.
Bei der MPU geht es aber höchstens am Rande um rein medizinische Fragen. Thema der MPU ist die Frage der Fahreignung des Kandidaten. Nur dieser Aspekt ist von Interesse. Wenn bei der MPU also Abstinenz verlangt wird, dann immer mit Blick auf die Prognose der Fahreignung jetzt und in Zukunft.
Wann Alkohol-Abstinenz für die MPU erforderlich ist
Es gibt Kriterien, nach denen Abstinenz bei der MPU als zwingend notwendig angesehen werden. Das sind vor allem folgende::
- Nach einer wiederholten Auffälligkeit wegen Alkohol im Straßenverkehr. Die Logik dahinter ist einfach, dass der Kandidat ja sehr deutlich gezeigt hat, dass eine strikte Trennung von Trinken und Fahren bei ihm nicht funktioniert. Deshalb ist dauerhafte Abstinenz im Interesse anderer Verkehrsteilnehmer zur Vermeidung von Gefährdung notwendig.
- Die Höhe des erreichten Promillewerts. Hier ist nicht messerscharf ein ganz bestimmter Wert festgelegt, sondern der gesamte Kontext muss betrachtet werden. Für Abstinenznotwendigkeit sprechen folgende Kriterien:
- Blutalkohol-Konzentration von mehr als 2 ‰
- Trunkenheitsfahrt zu ungewöhnlichen Uhrzeiten. Wer z.B. vormittags bereits alkoholisiert auffällt, bei dem liegt der Verdacht nahe, dass es sich entweder um Restalkohol vom Vortag handelt oder bereits morgens wieder getrunken wurde.
- Alkoholkonsum mehrmals täglich.
Abstinenznachweis: Methoden, Dauer und Anerkennung
Abstinenz muss nach genau festgelegten Kriterien bei der MPU nachgewiesen werden. Es genügt nicht, wenn Sie einfach behaupten: "Seit über einem Jahr hab ich keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken!" Sie haben die Wahl zwischen Urin-Screenings und Haaranalysen.
Der Standard für Abstinenznachweis wegen Alkohol sind 12 Monate. Dieser Wert kann aber variieren. Wenn es bei Ihnen deutliche Hinweise auf ein stark fortgeschrittenes Alkoholproblem gibt sind 15 Monate nötig. Verbindlich entschieden wird das letztlich meistens erst durch den Gutachter bei der MPU. In besonders günstig gelagerten Fällen kann der Gutachter aber auch mit 6 Monaten zufrieden sein, wenn das Gesamtbild ihn überzeugt.
Ganz entscheidend ist es, dass Ihre Abstinenznachweise nach den CTU-Kriterien genügen. CTU steht für Chemisch-toxikologische-Untersuchung. Das beauftragte Labor muss dafür zugelassen sein.
Wichtig:
Klären Sie das unbedingt vorher ab, damit sich nicht Ihre mühsam gesammelten Nachweise als unbrauchbar für die MPU entpuppen!
Wenn Sie darauf achten die Voraussetzungen nach CTU zu erfüllen, ist es Ihnen überlassen, wo Sie Ihre Nachweise machen lassen. Vergleichen Sie die Preise, es gibt große Unterschiede! Die MPU-Stellen bieten Abstinenz-Nachweise auch an. Weil die aber kein eigenes Labor betreiben und an den Nachweisen was verdienen wollen, sind sie meistens nicht die beste Wahl.
Früher gab man sich bei der MPU damit zufrieden, dass gute Leberwerte als ausreichender Nachweis für Alkohol-Abstinenz akzeptiert wurde. Das ist aber schon lange her. Spätestens seit 2009 wurden hier die Zügel deutlich angezogen und 2014 nochmals verschärft. Wer heute zur MPU antritt und angibt, er würde schon seit so und so lange abstinent leben, der ist schon so gut wie durchgefallen, wenn er das nicht durch anerkannte Nachweise belegen kann. Leberwerte haben sich nämlich als viel zu unsicher als Beleg für Abstinenz erwiesen.

Bei Abstinenz gibt's auch nicht ein einziges Gläschen…
Trotzdem werden immer noch bei der Alkohol-MPU die Leberwerte GGT, GOT und GPT erhoben. Wozu das also? Nun, die Leberwerte spielen immer noch eine Rolle, heute aber im umgekehrten Sinn: Wenn sie den als normal definierten Bereich nach oben überschreiten, wird das als ernsthafter Hinweis auf aktuellen oder früheren drastischen Alkoholkonsum angesehen. Es macht nach wie vor noch immer Sinn die Leberwerte im Auge zu behalten vor der MPU.
Urinkontrollen oder Haaranalysen: Unterschiede und Kosten
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie Sie Ihren Abstinenz-Nachweis für die MPU erbringen können:
- durch Urin-Screenings oder
- durch Haaranalysen
Abstinenz-Nachweis durch Urin-Screenings
Wenn Sie sich für Urin-Screenings entscheiden, muss ein Vertrag darüber unterschrieben werden, der Einzelheiten regelt. Das ist wichtig, damit die Urinproben bei der MPU anerkannt werden. Dafür ist es nötig, dass die betreffende Stelle akkreditiert ist. In der Praxis läuft es meistens darauf hinaus, dass man die am nächsten gelegene MPU-Stelle nimmt.
Sie sind durch die Wahl der Stelle für die Urin-Screenings nicht daran gebunden, dass Sie nachher auch dort zur MPU antreten. Die Abstinenz-Nachweise und die MPU sind völlig unabhängig voneinander.
Bei einem 6-monatigen Abstinenzvertrag werden Sie vier Mal kurzfristig einbestellt, beim 12-monatigen insgesamt sechs Mal.
Kurzfristig einbestellt bedeutet meistens, dass Sie eine SMS erhalten und innerhalb von 24 Stunden zur Urinprobe erscheinen müssen.
ACHTUNG:
Wenn Sie diese Frist nicht einhalten oder wenn Sie positiv getestet werden, ist der gesamte schon begonnene Abstinenz-Nachweis hinfällig!
Neuerdings darf außer auf EtG auch auf einen anderen Marker getestet werden (PEth = Phosphatidylethanol). Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass PEth stattgefundenen Alkoholkonsum wesentlich länger nachweisen kann: ca. 10 Tage je nach getrunkener Menge nämlich.
Abstinenz-Nachweis durch Haaranalysen
Die Alternative zu den Urinproben ist Abstinenz-Nachweis durch Haaranalysen. 1 cm Haarlänge pro nachgewiesenem Abstinenz-Monat ist nötig. Es wird nach dem Alkohol-Abbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) gesucht. Weil EtG mit der Zeit weiter zerfällt sind maximal 3 Monate rückwirkend als Abstinenz-Nachweis durch Haaranalyse zulässig.
Aber Vorsicht:
- Es dauert eine Weile, bis das Haar von der Haarwurzel durch die Kopfhaut gewachsen ist. Deshalb darf nicht naiv so gerechnet werden, dass die abgeschnittenen 3 cm Haare exakt von heute an rückwärts 3 Monate abbilden. Je nach Haarwuchs kann in so einer Haarprobe ohne weiteres die Information enthalten sein, die aus der Zeit von vor 4 Monaten bis vor ca. 1 Monat stammt. Was Sie z.B. vorgestern getrunken haben, das kann noch gar nicht in der Haarprobe angelangt sein.
Noch ein Hinweis:
Als Grenzwert für Alkohol-Abstinenz werden <7 pg/mg angesetzt. Dieser Wert ist so gewählt, dass Kleinstmengen Alkohol unproblematisch sind. Kleinstmenge meint gelegentlichen Konsum von Dingen wie ein paar Schnapspralinen, einem Eierlikör-Becher in der Eisdiele oder Ähnliches. Aber wirklich nur gelegentlich und nicht jeden Tag. Auch wenn von der Haaranalyse her daraus kein Problem entsteht, ist es aber trotzdem keine gute Idee das dem Gutachter so zu präsentieren.
Urin-Screenings oder lieber Haaranalysen: Was ist besser?
Ich werde oft gefragt welches von beiden Verfahren denn »das Bessere« sei. Es gibt kein besser oder schlechter. Für die MPU sind beide gleichwertig. Es gibt aber einige Aspekte, die Sie zumindest kennen sollten. Beachten Sie, dass die folgenden Angaben nur für Alkohol-Abstinenz-Nachweise gelten und nicht auf das Thema Drogen direkt übertragen werden dürfen:
- Wegen der kurzfristigen Einbestellung zu den Urinproben ist der Klient weniger flexibel in seiner Zeitgestaltung. Es gibt zwar einige Regelungen für Ausnahmen (Urlaub z.B.), aber darüber muss man sich vorher sehr genau informieren, wenn man nicht riskieren möchte den gesamten Abstinenz-Nachweis zu verlieren. überlegen Sie deshalb gründlich, ob das evtl. berufsbedingt problematisch werden könnte (z.B. durch Außendienst, Montage o.ä.).
- Durch Haaranalyse ist Abstinenz-Nachweis bis 3 Monate rückwirkend möglich. Es ist also eine gute Wahl für all diejenigen, die schon seit einiger Zeit alkoholfrei leben, aber erst jetzt mitgekriegt haben, dass Nachweise nötig sind. Ausreichende Haarlänge vorausgesetzt (mindestens 3 cm) ist auf diese Weise wenigstens nicht die gesamte schon verstrichene Abstinenzzeit verloren.
- Das Alkohol-Abbauprodukt EtG bzw. PEth sammelt sich in den Haaren an. Die Haare haben also sozusagen ein »Gedächtnis« für Alkoholkonsum. Dazu ist aber wichtig zu wissen, dass je nach individueller Haarwuchs-Geschwindigkeit ungefähr 1 Monat Zeitversatz besteht. So lange dauert es nämlich ungefähr, bis die Haare aus der Haarwurzel durch die Kopfhaut gewachsen sind.
- Für die MPU liegt die Nachweisgrenze für Alkohol-Abstinenz bei 7 pg/mg. Da die Haarsträhne als Ganzes analysiert wird, hinterlassen gelegentliche sehr kleine Mengen Alkohol bei der Haaranalyse keine Spuren oberhalb der definierten Nachweisgrenze.
- Bei den EtG Urin-Screenings ist es genau umgekehrt: Alkoholkonsum auch größerer Menge, der mindestens 4-5 Tage zurück liegt, ist in der Urinprobe nicht mehr nachweisbar. Deshalb wird auch so großer Wert darauf gelegt, dass der Einbestellung zur Urinprobe so kurzfristig gefolgt wird. Dann sind allerdings auch sehr kleine aktuelle Alkohol-Mengen noch nachweisbar.
Rückfälle und deren Folgen im MPU-Verfahren
"Rückfall? Das kann mir nicht passieren!" Viele glauben das wirklich. Die Statistik spricht aber eine andere Sprache:
- Rund ein Drittel derer, die nach einer Alkohol-MPU positiv begutachtet wurden, haben 5 Jahre später den Führerschein wegen einer erneuten Trunkenheitsfahrt bereits wieder verloren.
- Nach 10 Jahren ist es sogar ungefähr jeder Zweite.
Was soll man daraus schließen? Dass die MPU ein Kinderspiel ist, das eh jeder besteht? Sicher nicht, denn sonst wäre die hohe Durchfallquote von über 40 % nicht erklärbar.
Unterstützung und Beratung auf dem Weg zur erfolgreichen MPU
Ich bereite Sie mit meinem MPU-Coaching effektiv und ohne Umwege auf die MPU vor, zeitlich flexibel in Einzelsitzungen per Videokonferenz. Der Schwerpunkt meiner Vorbereitung liegt auf dem 1-stündigen Einzelgespräch mit dem psychologischehn Gutachter.
Kombination Abstinenz und kontrolliertes Trinken
Manchmal ist zu lesen, dass auch eine Kombination aus Abstinenz und kontrolliertem Trinken möglich ist. Zeitlich nacheinander natürlich. Ich halte davon nichts. Wer sowieso entsprechend lange Sperrfrist hat, der könnte grundsätzlich schon erst mal sechs Monate Abstinenz und daran anschließend auf kontrolliertes Trinken umsteigen. Was sollte das aber bringen? Soll die Abstinenzphase Abstand schaffen zum Trinkverhalten, oder was? Ich finde dass das argumentativ schlecht zu verkaufen ist. Es sieht zu sehr danach aus, dass die Abstinenz nicht durchgehalten wurde.
Fristen für Abstinenz-Nachweise beachten
Der Abstinenz-Nachweis muss zeitlich passen: Es macht kenen Sinn im übereifer sofort loszulegen, wenn man eine sehr lange Sperrfrist hat. Mehr als 12 Monate Abstinenz-Nachweis macht nur dann Sinn, wenn Sie es knüppelhat bringen und Sie schon Mehrfach-Wiederholungstäter sind oder in die Kategorie A1 (Alkoholabhängigkeit) eingestuft wurden.
Wer mit Abstinenz zur MPU antritt, von dem wird standardmäßig Nachweis über 12 Monate Abstinenz erwartet. In den Beurteilungs-Kriterien wird auch die Alternative 6 Monate genannt. Es ist aber sehr schwammig beschrieben, unter welchen Voraussetzungen das genügen würde. Es läuft deshalb darauf hinaus, dass es dem Ermessensspielraum des MPU-Gutachters überlassen bleibt, ob er sich mit 6 Monaten zufrieden gibt. Wer dieses Risiko eingehen will, der braucht also eine sehr gute und überzeugende Begründung dafür, warum in seinem Fall der kürzere Nachweis ausreichend sein soll.
Achten Sie auch unbedingt darauf, dass keine zeitliche Lücke entsteht. Deshalb sollte der Termin für die MPU möglichst bald nach Ende der Abstinenz-Nachweise liegen. Es dürfen maximal 4 Monate vergangen sein, damit die Abstinenz-Nachweise für die MPU noch gültig sind. Lassen Sie es nicht auf den letzten Moment ankommen!

Ich mach Haaranalyse für die MPU
4. Kontrolliertes Trinken
Mit klaren Vorgaben zum Erfolg
Kontrolliertes Trinken heißt nicht einfach weniger trinken. Für die MPU gelten klare Vorgaben: Anzahl der Trinktage, erlaubte Höchstmengen und striktes Planen statt Spontankonsum.
Beachten Sie:
Den Begriff kontrolliertes Trinken gibt es auch im Zusammenhang mit Angeboten, die mit dem Straßenverkehr und dem Führerschein nichts zu tun haben. Schauen Sie sich deshalb genau an, was bei der MPU darunter verstanden wird.
Ein entscheidender Vorteil
Anders als bei Abstinenz - was für die MPUI ja als lebenslanger vollständiger Verzicht auf Alkohol verstanden wird - sind für kontrolliertes Trinken keine strikten Nachweise wie kurzfristig angeordnete Urinproben vorgeschrieben. Das spart nicht nur Geld, sondern Sie sind auch angenehm flexibler, weil Sie sich nicht an- und abmelden müssen, wenn Sie mal ein paar Tage weg fahren wollen.
Der schöne Schein trügt ein bißchen
Offiziell wird für kontrolliertes Trinken kein Nachweis verlangt. Es hat sich aber eingebürgert, dass Sie Ihre Glaubwürdigkeit deutlich erhöhen können, wenn Sie durch eine Haaranalyse nachweisen, dass Sie nur sehr moderat getrunken haben. Mehr dazu finden Sie weiter unten.
Höchstmengen: Aktuelles Info vom 8.12.2025
Durch die Cannabis-Legalisierung 2024 wurde eine Überarbeitung der Beurteilungskriterien nötig, die Anfang 2026 veröffentlicht werden wird. Auf einer Fortbildungsveranstaltung am 8.12.2025 wurden die kommenden Änderungen vorgestellt. Fahren unter Cannabiseinfluss wird bei der MPU jetzt weitgehend der bereits bestehenden Regelung bei Alkohol angepasst.
Hellhörig geworden bin ich aber beim Thema kontrolliertes Trinken. Bisher gab es dafür ja eine klare Grenze (30 pg/ml). Auf der Fortbildung war jetzt aber zu hören, dass aber "eher 20 pg/ml" angestrebt werden sollen.
Wie das nachher in der Praxis aussehen wird, war hier nicht zu erfahren. Ich meine aber, dass also wohl vorsichtigerer Umgang mindestens erst mal ratsam sein wird.
Warum ist kontrolliertes Trinken bei der MPU so wichtig?
Die MPU prüft, ob Sie verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen können. Mit kontrolliertem Trinken zeigen Sie, dass Sie Ihr Verhalten dauerhaft im Griff haben - ein klarer Pluspunkt für eine positive Begutachtung.
Welche Absicht steht dahinter?
Sie sind in der Vergangenheit durch ein problematisches Verhalten im Straßenverkehr aufgefallen. Es wird Ihnen aber noch zugetraut, dass Sie das wieder in den Griff bekommen können, wenn Sie sich an ganz bestimmte vorgegebene Regeln halten.
Die erlaubten Trinkmengen orientieren sich weitgehend an der 0,5 ‰ Grenze. Wer niemals mehr Alkohol trinkt als zum Überschreiten dieser Grenze nötig wäre, für den stellt sich die Frage nach dem Trennvermögen gar nicht.
Man könnte jetzt provokativ fragen: "Was soll denn daran neu sein?" Die Zielgruppe ist neu. Es handelt sich ja um Verkehrsteilnehmer, bei denen die ausreichende Trennung von Trinken und Fahren schon einmal nicht funktioniert hat.
"Vertrauensvorschuss light" - Sie bekommen noch eine Chance
Durch Ihre Trunkenheitsfahrt haben Sie den pauschalen Vertrauensvorschuss verloren, den Sie nach der Fahrprüfung ja hatten. Als Ersttäter Alkohol mit einem nicht astronomisch hohen Promillewert bekommen Sie mit kontrolliertem Trinken aber noch eine Chance in Form von "Vertrauensvorschuss light" gewissermaßen.
Man sagt jetzt nicht mehr, dass Sie so viel trinken dürfen wie Sie Lust haben, so lange Sie sich in diesem Zustand nicht ans Steuer setzen. Einmal ist das ja schon mal schief gegangen. Die Vorgaben des kontrollierten Trinkens sind so gestaltet, dass die 0,5 ‰ Grenze gar nicht erreicht wird. Faktisch bedeutet das, dass es egal ist, ob Sie Trinken & Fahren strikt trennen können oder nicht.
Beachten Sie:
Es wird Ihnen jetzt "eine Art Rettungsring verordnet", der darin besteht, dass Sie beim Trinken strikte Vorgaben einhalten. Die Hoffnung besteht darin, dass Sie sich nach mindestens 6 Monaten Training so sehr an diesen Rettungsring gewöhnt haben werden, dass Sie Ihn kaum mehr wahrnehmen und die Einschränkungen als was ganz Normales freiwillig beibehalten werden.
Erlaubte Mengen für kontrolliertes Trinken
In den aktuellen Beurteilungskriterien wird endlich konkreter formuliert, was man sich unter kontrolliertem Trinken für die MPU vorzustellen hat:
"Der durchschnittliche Alkoholkonsum pro Tag bewegt sich bei maximal fünf mal 24 Gramm pro Woche für Männer bzw. 12 Gramm für Frauen, wobei nie mehr als 60 Gramm an einem Tag getrunken werden."

Ist Schnaps generell verboten für kontrolliertes Trinken? Gleich erfahren Sie Genaueres…
Da sich die meisten Leute unter den Gramm-Angaben nicht viel vorstellen können, übertrage ich das mal auf Bier (bezogen auf Männer):
- an maximal 5 Tagen pro Woche bis 2 Glas Bier zu je 0,3 Liter
- pro Woche maximal 2,5 Liter Bier
- nie mehr als 1,5 Liter Bier an einem Tag
- an mindestens 2 Tagen pro Woche soll man gar keinen Alkohol trinken
An maximal 5 Tagen pro Woche sind das jeweils folgende Höchstmengen umgerechnet auf verschiedene Getränke:
| Mann | Frau | |
| Bier | 0,6 l | 0,3 l |
| Wein | 1/4 l | 1/8 l |
| Schnaps | 4 x 2cl | 2 x 2cl |
Nur zu ganz besonderen Anlässen ist auch mal etwas mehr erlaubt:
- Männer maximal 60 Gramm Alkohol
- Frauen maximal 30 Gramm Alkohol
Zur Frage nach den "harten" Getränken: Auch Schnaps ist nicht verboten. Geschaut wird einfach auf die Menge reinen Alkohols. So lange die nicht überschritten wird, bleibt es Ihnen überlassen, welche Art von Getränken Sie wählen.
Warum so wenig?
Die Wahrscheinlichkeit, dass auch der schönste fest gefasste Vorsatz doch fallen gelassen wird, steigt sobald der Trinkende eine Wirkung des Alkohols zu spüren beginnt. Mit den Mengen, die ich oben genannt habe, ist das aber so gut wie ausgeschlossen.
Kontrolliertes Trinken nachweisen
Es gibt eine "Kann-Bestimmung" für das kontrollierte Trinken. Es ist zwar nach wie vor kein Nachweis zwingend nötig, aber in letzter Zeit bürgert sich mehr und mehr ein, dass "freiwillig" eine Haaranalyse gemacht wird über die letzten 3-4 Monate vor der MPU. Wenn der dabei ermittelte Wert über 30 pg/mg liegt, wird das als nicht glaubhaft für kontrolliertes Trinken gewertet. Es ist also dringend anzuraten, dass Sie in den Monaten vor der MPU wirklich nur zurückhaltend Alkohol konsumieren.
Freiwilliger Zwang…?
Zur »Freiwilligkeit« einer Haaranalyse: Oft wird so argumentiert, dass Rest-Zweifel an der Glaubwürdigkeit des kontrollierten Trinkens bestehen und dem Kandidat Gelegenheit gegeben werden soll, diese durch die Haaranalyse auszuräumen - selbstverständlich freiwillig und auf seine Kosten.
Kann man das vermeiden?
Natürlich können Sie mit superkurz geschnittenen Haaren zur MPU gehen. Sie müssen dann aber damit rechnen, dass Sie gerade dadurch erhebliches Misstrauen erzeugen würden, denn Sie wussten ja, dass eventuell nach einer Haaranalyse gefragt werden kann. Das ist sicher nicht in Ihrem Interesse!
Meine Empfehlung:
Es gibt sehr große Preisunterschiede. Stöbern Sie ein bißchen im Internet. Meistens lässt sich einigermaßen in der Nähe ein akkreditiertes Großlabor finden, das eine solche Haaranalyse für ca. 100 € anbietet. Nehmen Sie das wahr und legen Sie diesen Nachweis gleich freiwillig bei der MPU vor.
Was besagt Haaranalyse für kontrolliertes Trinken?
In den Haaren sammelt sich das Alkohol-Abbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) an. Der Grenzwert von 30 pg/mg für kontrolliertes Trinken bei 3 cm Haarprobe erlaubt also einen gewissen Rückschluss auf die in 3 Monaten konsumierte Alkoholmenge.
Nicht erkennen kann man daraus aber das Trinkmuster - also ob täglich eine kleine Menge (z.B. 0,33 l Bier) getrunken wurde oder ob vielleicht alle 6 Wochen ein großes Besäufnis stattgefunden hat (was natürlich absolut nicht zum kontrollierten Trinken passen würde). Diese Information gibt die Haaranalyse nicht her.
Beachten Sie:
Es dauert eine Weile, bis das Haar von der Haarwurzel durch die Kopfhaut gewachsen ist. Deshalb darf nicht naiv so gerechnet werden, dass die abgeschnittenen 3 cm Haare exakt von heute an rückwärts 3 Monate abbilden.
Für wen kommt kontrolliertes Trinken in Frage?
Es gibt einen Wermutstropfen: Man kann sich nicht völlig beliebig entscheiden, ob man mit kontrolliertem Trinken zur MPU antreten will oder ob doch Abstinenz nötig ist. Eine feste Voraussetzung gibt es nicht, aber eine Reihe von Merkmalen dafür oder dagegen.
Kontraindikatoren
- Wiederholungstat
Wer in den letzten 10 Jahren schon mal im Straßenverkehr wegen Alkohol auffällig geworden ist und jetzt wieder, der zeigt damit eine erhebliche Unbelehrbarkeit. Bei ihm hat der damalige "Warnschuss" offensichtlich nicht gewirkt ⇒ statistisch schlechte Prognose für kontrolliertes Trinken. - Ist kontrolliertes Trinken für alle Wiederholungstäter ausgeschlossen?
Eine klare Vorgabe machen die Beurteilungskriterien dazu nicht. Wenn es Ihnen tatsächlich gelingen sollte den Gutachter davon zu überzeugen, dass bei Ihnen wirklich fundamentale Veränderungen stattgefunden haben und Sie sozusagen "ein neuer Mensch" sind, darf er Ihnen das abkaufen und kontrolliertes Trinken akzeptieren. Ich rate davon ab es zu versuchen nach allem, was ich in mehr als 15 Jahren MPU-Vorbereitung erlebt habe. - Altersgrenze
Diese Grenze ist flexibel. Je höher das Lebensalter, desto geringer der Erfolg mit Kontrolliertem Trinken (das sagt jedenfalls die Statistik). Eine feste Grenze gibt es nicht, aber spätestens oberhalb von 55 bis 60 Jahren wird es zunehmend schwieriger mit kontrolliertem Trinken die MPU zu bestehen. - Promillewert
Auch hier gibt es einen Übergangsbereich. Als eine gewisse Schallmauer gelten aber 2 ‰ Blutalkohol. - Tageszeit
Hohe Alkoholwerte kommen in unserer Kultur normalerweise in der Freizeit vor, also überwiegend ab abends. Wer schon morgens oder Vormittags alkoholisiert erwischt wird, hat entweder noch Restalkohol (was auf eine sehr hohe Trinkmenge am Vorabend hindeutet) oder morgens schon wieder getrunken. Beides wird als sehr problematisch angesehen.
Kontrolliertes Trinken: Wie lange mindestens?
Auch hier gibt es eine Vorgabe: Es wird davon ausgegangen, dass kontrolliertes Trinken, wie das für die MPU vorausgesetzt wird, nichts "ganz Normales" ist, sondern sehr aufmerksam stattfinden muss. Es wird angenommen, dass dafür eine längere Phase der Einübung notwendig ist, bis es zu alltäglicher Routine geworden ist. Eine solche Einübungsphase soll mindestens 6 Monate lang gedauert haben.
Beachten Sie:
Es gibt also keine messerscharfe Grenze, für wen kontrolliertes Trinken noch in Frage und für wen nicht mehr kommt. Entscheidend ist der Gesamteindruck Ihres Falles.
Je näher Sie sich bei einem der oben aufgeführten Kriterien an der Obergrenze bewegen, umso mehr muss es Ihr Interesse sein diesen Gesamteindruck durch besonders gute Darstellung in den anderen Kriterien aufzuwerten.
Trinkkalender: Was ist das und brauchen Sie das?
Weiter oben haben Sie ja schon erfahren, dass eine wichtige Auswirkung des kontrollierten Trinkens nach Art der MPU darin bestehen soll, dass das neuen Trinkverhalten trainiert und verfestigt werden soll bis es dem Klient in Fleisch und Blut übergegangen ist. Dieser erwünschte Vorgang lässt sich beschleunigen je mehr Aufmerksamkeit Sie dem Trinken schenken. Das ist auch der Grund warum jedes Trinkereignis geplant und nie spontan stattfinden soll.

Menge und Art der Getränke, Trinkdauer, Trinkanlass, besondere Ereignisse…
Man kann es natürlich auch übertreiben mit dem Protokollieren. Ich meine, es macht keinen Sinn wirklich jedes Getränk erfassen zu wollen. Bei maximal 5 Trinktagen pro Woche und 26 Wochen in den geforderten mindestens 6 Monaten käme das ja einer Strafarbeit gleich. Sie müssen aber schon damit rechnen, dass der Gutachter ziemlich genau nachfragen wird.
Ein klassischer Trinkkalender ist kein Muss und meiner Ansicht nach auch nicht sinnvoll. Sie können aber Pluspunkte sammeln, wenn Sie ohne langes Nachdenken die letzten zwei oder drei besonderen Anlässe parat haben (z.B. Geburtstag des Vaters, eine Hochzeit, der letzte Urlaub…). Es geht einfach darum, dass glaubhaft rüber kommt, dass Sie nicht nur behaupten, dass Sie kontrolliertes Trinken betreiben.
Randbemerkung:
Das kontrollierte Trinken, wie es für die MPU erwartet wird, ist zweifellos ein recht künstliches Konstrukt. Kein realistisch denkender Mensch wird wirklich glauben, dass jemand für den Rest seines Lebens akribisch einen Trinkkalender führen wird. Das dürfte auch den MPU-Gutachtern klar sein. Es geht vor allem darum einen bewussteren Umgang mit Alkohol zu erlernen.
Auch wenn man es so klar nicht sagen darf: So lange Sie in Zukunft trinken und fahren konsequent trennen interessiert es niemanden, ob Sie mal ein Bier mehr als offiziell geplant trinken. Wichtig dabei ist aber, dass Sie verstanden haben, dass Sie zu der großen Gruppe gehören, die dazu neigen, ab einem gewissen Quantum an Alkohol alle guten Vorsätze über Bord zu werfen. Deswegen große Vorsicht!