Keine Angst vor Abstinenz-Nachweisen
Wer als Alkohol-Wiederholungstäter aufgefallen ist, durch besonders hohe Promillewerte oder durch Drogenkonsum aufgefallen ist, kommt um die notwendigen Abstinenznachweise nicht herum. Das ist natürlich unangenehm und belastend, aber kein Grund, um die Flinte ins Korn zu werfen. Hier erfahren Sie alles Wichtige.
Das finden Sie hier:
Nutzen Sie für eine Einschätzung Ihrer Lage und konkrete Empfehlungen meine kostenlose Erstberatung:
Abstinenznachweise: Die Kernfakten
- Abstinenzdauer: Mindestens 6 Monate, oft aber 12 Monate oder sogar 15 Monate
- Nachweismethoden: Urinscreenings, Blutproben oder Haaranalysen
- Wichtig: Wiederholungstäter müssen in der Praxis fast immer Abstinenz nachweisen, auch unabhängig vom Promillewert bei Alkohol
1. Abstinenznachweis: Methoden, Dauer und Anerkennung
Abstinenz muss nach genau festgelegten Kriterien bei der MPU nachgewiesen werden. Es genügt nicht, wenn Sie einfach behaupten: "Seit über einem Jahr hab ich nichts mehr konsumiert!" Sie müssen das nachweisen, damit Sie die MPU bestehen können.
Der Standard für Abstinenznachweis sind meistens 12 Monate. Dieser Wert kann aber variieren. Wenn es bei Ihnen deutliche Hinweise auf eine stark fortgeschrittene Problematik gibt oder "harte Drogen" festgestellt wurden, sind 15 Monate nötig. Verbindlich entschieden wird das oft erst durch den Gutachter bei der MPU.
Reichen nicht schon 6 Monate?
Wenn Sie den Gutachter davon überzeugen können, dass bei Ihnen besonders günstige Voraussetzungen gegeben sind, kann er eventuell auch mit 6 Monaten zufrieden sein. Ob das in Ihrem Fall in Frage kommen könnte, klären wir am besten gemeinsam in der kostenlosen Erstberatung.
CTU-Kriterien sind Pflicht
Ganz entscheidend ist es, dass Ihre Abstinenznachweise nach den CTU-Kriterien genügen. CTU steht für Chemisch-toxikologische-Untersuchung. Das beauftragte Labor muss dafür zugelassen sein.
Wichtig:
Klären Sie das unbedingt vorher ab, damit sich nicht Ihre mühsam gesammelten Nachweise als unbrauchbar für die MPU entpuppen!
Wo können Sie die Abstinenznachweise machen?
Wenn Sie darauf achten, die Voraussetzungen nach CTU zu erfüllen, ist es Ihnen überlassen, wo Sie Ihre Nachweise machen lassen. Vergleichen Sie die Preise, es gibt große Unterschiede! Die MPU-Stellen bieten Abstinenz-Nachweise auch an. Weil die aber kein eigenes Labor betreiben und einen Aufschlag kalkulieren, sind sie meistens nicht die beste Wahl.
Früher gab man sich bei der MPU für Alkohol damit zufrieden, dass gute Leberwerte als ausreichender Nachweis für Alkohol-Abstinenz akzeptiert wurde. Das ist aber schon lange her. Spätestens seit 2009 wurden hier die Zügel deutlich angezogen und 2014 nochmals verschärft. Leberwerte haben sich nämlich als viel zu unsicher als Beleg für Abstinenz erwiesen.
2. Was Sie zu Abstinenz-Nachweisen durch Urin-Screenings wissen müssen
Ablauf der Abstinenz-Nachweise
Wenn Sie sich für Urinproben entscheiden, muss ein Vertrag darüber unterschrieben werden, der Einzelheiten regelt. Das ist wichtig, damit die Urinproben bei der MPU anerkannt werden. Dafür ist es nötig, dass die betreffende Stelle akkreditiert ist.
In der Praxis läuft es meistens darauf hinaus, dass man die am nächsten gelegene MPU-Stelle nimmt, weil die kurzfristigen Einbestellungen sonst nur schwer einzuhalten wären.
Sie sind durch die Wahl der Stelle für die Urin-Screenings nicht daran gebunden, dass Sie nachher auch dort zur MPU antreten. Die Abstinenz-Nachweise und die MPU sind völlig unabhängig voneinander.
Bei einem 6-monatigen Abstinenzvertrag werden Sie vier Mal kurzfristig einbestellt, beim 12-monatigen insgesamt sechs Mal.
Kurzfristig einbestellt bedeutet meistens, dass Sie eine SMS oder einen Anruf erhalten und innerhalb von 24 Stunden zur Urinprobe erscheinen müssen.
Die Probenabgabe erfolgt unter Sichtkontrolle, um mögliche Manipulationen weitestgehend auszuschließen.
ACHTUNG:
Wenn Sie diese Frist nicht einhalten oder wenn Sie positiv getestet werden, ist der gesamte schon begonnene Abstinenz-Nachweis hinfällig!
Neuerdings darf für Alkohol außer auf EtG auch auf einen anderen Marker getestet werden (PEth = Phosphatidylethanol). Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass PEth stattgefundenen Alkoholkonsum wesentlich länger nachweisen kann: ca. 10 Tage je nach getrunkener Menge nämlich.
Ausfallzeiten
Damit Sie nicht ungewollt vertragsbrüchig werden, weil Sie einer Einbestellung nicht nachkommen können, wird im Screeningvertrag schriftlich geregelt wie damit umzugehen ist:
- Urlaub:
28 Kalendertage beim 6-Monats-Vertrag bzw. 56 Kalendertage beim 12-Monats-Vertrag. Meistens gibt es auch noch Begrenzung auf 5 oder 6 Monate am Stück. - Anmeldefrist:
Einzelheiten werden im Screeningvertrag geregelt. Üblich sind Mindestfristen von 3 Tagen, aber auch 1 Woche kann verlangt werden. Also genau hinschauen!
Urin-Verdünnung
Wer überraschend zur Urinprobe einbestellt wird, aber am Tag davor verbotenerweise doch konsumiert hat, kann auf die Idee kommen kurz vor der Urinabgabe eine sehr große Menge Flüssigkeit zu trinken, um die Spuren des Konsums zu verdecken.
Um solche Manipulationen zu verhindern, wurde eine Kreatinin-Untergrenze von 200 mg/L festgelegt.
3. Wichtig bei Abstinenz-Nachweis durch Haaranalysen
Die Alternative zu den Urinproben ist Abstinenz-Nachweis durch Haaranalysen. 1 cm Haarlänge pro nachgewiesenem Abstinenz-Monat ist nötig. Für Alkohol-Haaranalysen sind maximal 3 Monate rückwirkend zulässig. Bei Drogen sind es 6 Monate.
Wenn Sie also bereits seit längerer Zeit abstinent leben, bietet eine Haaranalyse den nicht unwesentlichen Vorteil, dass Sie ja 3 oder sogar 6 Monate rückwirkend die Abstinenz nachweisen können.
Aber Vorsicht:
Es dauert eine Weile, bis das Haar von der Haarwurzel durch die Kopfhaut gewachsen ist. Deshalb darf nicht naiv so gerechnet werden, dass die abgeschnittenen Haare exakt von heute an rückwärts 3 oder 6 Monate abbilden.
Das Problem der Kolbenhaare
Als Richtwert sollte man mit etwa 1 Monat Zeitverzug rechnen. Das Problem ist aber, dass Haare irgendwann ihren Wuchs einstellen (so genannte Kolbenhaare), bevor sie einige Zeit später ausfallen und an ihrer Stelle neue Haare nachwachsen.
Diese Kolbenhaare wirken sich verfälschend bei der Haaranalyse aus. Bei normalem Haarwuchs fällt das nicht weiter ins Gewicht. Wer aber viele Haare verliert und nur noch sehr spärlichen Haarwuchs hat, sollte zur Sicherheit deutlich länger abwarten, weil sonst ja der große Anteil nicht mehr gewachsener Haare einen falschen Zeitraum abbilden würde.
Noch ein Hinweis:
Als Grenzwert für Alkohol-Abstinenz werden <7 pg/mg angesetzt. Dieser Wert ist so gewählt, dass Kleinstmengen Alkohol unproblematisch sind. Kleinstmenge meint gelegentlichen Konsum von Dingen wie ein paar Schnapspralinen, einem Eierlikör-Becher in der Eisdiele oder ähnliches. Aber wirklich nur gelegentlich und nicht jeden Tag. Auch wenn von der Haaranalyse her daraus kein Problem entsteht, ist es aber trotzdem keine gute Idee das dem Gutachter so zu präsentieren.
Urin-Screenings oder lieber Haaranalysen: Was ist besser?
Ich werde oft gefragt welches von beiden Verfahren denn »das Bessere« sei. Es gibt kein besser oder schlechter. Für die MPU sind beide gleichwertig. Es gibt aber einige Aspekte, die Sie zumindest kennen sollten. Beachten Sie, dass die folgenden Angaben nur für Alkohol-Abstinenz-Nachweise gelten und nicht auf das Thema Drogen direkt übertragen werden dürfen:
- Wegen der kurzfristigen Einbestellung zu den Urinproben ist der Klient weniger flexibel in seiner Zeitgestaltung. Es gibt zwar einige Regelungen für Ausnahmen (Urlaub z.B.), aber darüber muss man sich vorher sehr genau informieren, wenn man nicht riskieren möchte den gesamten Abstinenz-Nachweis zu verlieren. Überlegen Sie deshalb gründlich, ob das evtl. berufsbedingt problematisch werden könnte (z.B. durch Außendienst, Montage o.ä.).
- Durch Haaranalyse ist Abstinenz-Nachweis bis 3 Monate rückwirkend möglich. Es ist also eine gute Wahl für all diejenigen, die schon seit einiger Zeit alkoholfrei leben, aber erst jetzt mitgekriegt haben, dass Nachweise nötig sind. Ausreichende Haarlänge vorausgesetzt (mindestens 3 cm) ist auf diese Weise wenigstens nicht die gesamte schon verstrichene Abstinenzzeit verloren.
- Das Alkohol-Abbauprodukt EtG bzw. PEth sammelt sich in den Haaren an. Die Haare haben also sozusagen ein »Gedächtnis« für Alkoholkonsum. Dazu ist aber wichtig zu wissen, dass je nach individueller Haarwuchs-Geschwindigkeit ungefähr 1 Monat Zeitversatz besteht. So lange dauert es nämlich ungefähr, bis die Haare aus der Haarwurzel durch die Kopfhaut gewachsen sind.
- Für die MPU liegt die Nachweisgrenze für Alkohol-Abstinenz bei 7 pg/mg. Da die Haarsträhne als Ganzes analysiert wird, hinterlassen gelegentliche sehr kleine Mengen Alkohol bei der Haaranalyse keine Spuren oberhalb der definierten Nachweisgrenze.
- Bei den EtG Urin-Screenings ist es genau umgekehrt: Alkoholkonsum auch größerer Menge, der mindestens 4-5 Tage zurück liegt, ist in der Urinprobe nicht mehr nachweisbar. Deshalb wird auch so großer Wert darauf gelegt, dass der Einbestellung zur Urinprobe so kurzfristig gefolgt wird. Dann sind allerdings auch sehr kleine aktuelle Alkohol-Mengen noch nachweisbar.
Rückfälle und deren Folgen im MPU-Verfahren
"Rückfall? Das kann mir nicht passieren!" Viele glauben das wirklich. Die Statistik spricht aber eine andere Sprache:
- Rund ein Drittel derer, die nach einer Alkohol-MPU positiv begutachtet wurden, haben 5 Jahre später den Führerschein wegen einer erneuten Trunkenheitsfahrt bereits wieder verloren.
- Nach 10 Jahren ist es sogar ungefähr jeder Zweite.
Was soll man daraus schließen? Dass die MPU ein Kinderspiel ist, das eh jeder besteht? Sicher nicht, denn sonst wäre die hohe Durchfallquote von über 40 % nicht erklärbar.
Unterstützung und Beratung auf dem Weg zur erfolgreichen MPU
Ich bereite Sie mit meinem MPU-Coaching effektiv und ohne Umwege auf die MPU vor, zeitlich flexibel in Einzelsitzungen per Videokonferenz. Der Schwerpunkt meiner Vorbereitung liegt auf dem 1-stündigen Einzelgespräch mit dem psychologischen Gutachter.
Kombination Abstinenz und kontrolliertes Trinken
Manchmal ist zu lesen, dass auch eine Kombination aus Abstinenz und kontrolliertem Trinken möglich ist. Zeitlich nacheinander natürlich. Ich halte davon nichts. Wer sowieso entsprechend lange Sperrfrist hat, der könnte grundsätzlich schon erst mal sechs Monate Abstinenz und daran anschließend auf kontrolliertes Trinken umsteigen. Was sollte das aber bringen? Soll die Abstinenzphase Abstand schaffen zum Trinkverhalten, oder was? Ich finde dass das argumentativ schlecht zu verkaufen ist. Es sieht zu sehr danach aus, dass die Abstinenz nicht durchgehalten wurde.
4. Fristen für Abstinenz-Nachweise beachten
Der Abstinenz-Nachweis muss zeitlich passen: Es macht keinen Sinn, im Übereifer sofort loszulegen, wenn man eine sehr lange Sperrfrist hat. Mehr als 12 Monate Abstinenz-Nachweis macht nur dann Sinn, wenn Sie es wirklich extrem übertrieben haben und Sie schon Mehrfach-Wiederholungstäter sind oder in die Kategorie A1 (Alkoholabhängigkeit) eingestuft wurden.
Wer mit Abstinenz zur MPU antritt, von dem wird standardmäßig Nachweis über 12 Monate Abstinenz erwartet. In den Beurteilungs-Kriterien wird auch die Alternative 6 Monate genannt. Es ist aber sehr schwammig beschrieben, unter welchen Voraussetzungen das genügen würde. Es läuft deshalb darauf hinaus, dass es dem Ermessensspielraum des MPU-Gutachters überlassen bleibt, ob er sich mit 6 Monaten zufrieden gibt. Wer dieses Risiko eingehen will, der braucht also eine sehr gute und überzeugende Begründung dafür, warum in seinem Fall der kürzere Nachweis ausreichend sein soll.
Achten Sie auch unbedingt darauf, dass keine zeitliche Lücke entsteht. Deshalb sollte der Termin für die MPU möglichst bald nach Ende der Abstinenz-Nachweise liegen. Es dürfen maximal 4 Monate vergangen sein, damit die Abstinenz-Nachweise für die MPU noch gültig sind. Lassen Sie es nicht auf den letzten Moment ankommen!

Ärgerlich, wenn man zu spät merkt, dass dieser Zug abgefahren ist…
5. Warten Sie nicht zu lang!
Bei der Alkohol-MPU gibt es (ähnlich wie bei der Drogen-MPU) Fristen zu beachten und eventuell rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, die sonst sehr lästigen Zeitverlust bedeuten können. Wer alles "erst mal auf sich zukommen" lässt bis kurz vor der MPU, auf den wartet ein böses Erwachen. Die Taktik "oh, da hätte ich ja Nachweise gebraucht - na egal, reicht jetzt eh nicht mehr, gehe ich halt erst mal so hin" ist sinnlos rausgeschmissenes Geld und unnötig verplemperte Zeit. Der Zug ist nämlich schon lange abgefahren!
Die meisten Alkohol-Kandidaten haben ja vom Gericht eine Sperrfrist auferlegt bekommen. Eine Zeit, die man als lästig und ziemlich sinnlos empfindet. Letzteres liegt aber nur bei Ihnen, denn viel sinnvoller wäre es diese Zeit für die MPU-Vorbereitung zu nutzen.
6. Was kostet ein Abstinenznachweis für die MPU?
Die Kosten hängen von Nachweisart, Dauer und Anbieter ab. Ein Preisvergleich lohnt sich, da die Unterschiede erheblich sein können. Hier ein grober Rahmen:
- Einzelne Urinproben von unter 50 € bis über 100 €
- Haaranalysen von unter 70 € bis 450 €
- Wegen des größeren analytischen Aufwands sind Drogen-Nachweise etwas teurer als Alkohol-Nachweise.
7. Die wichtigsten Fragen zusammengefasst:
Muss ich für die MPU immer Abstinenz nachweisen?
Nein. Abstinenznachweise werden vor allem bei Drogenauffälligkeiten, Alkohol-Wiederholungstätern, sehr hohen Promillewerten oder anderen Hinweisen auf ein fortgeschrittenes Alkoholproblem verlangt.
Wie lange muss Abstinenz nachgewiesen werden?
Meist werden 12 Monate Abstinenz erwartet. Unter günstigen Voraussetzungen können 6 Monate genügen. Bei besonders schweren Fällen können auch 15 Monate erforderlich sein.
Was gilt als anerkannter Abstinenznachweis?
Anerkannt werden nur Nachweise den CTU-Kriterien genügen. Üblich sind Urinscreenings, Haaranalysen und in bestimmten Fällen Blutuntersuchungen.
Was passiert, wenn ich eine Urinkontrolle verpasse?
Wer eine kurzfristige Einbestellung ohne anerkannten Grund versäumt oder positiv getestet wird, muss den gesamten Abstinenznachweis in der Regel neu beginnen!
Sind Haaranalysen oder Urinscreenings besser?
Für die MPU sind beide Verfahren gleichwertig. Haaranalysen bieten mehr zeitliche Flexibilität, Urinscreenings sind dafür unabhängig von der Haarlänge möglich.
Wie aktuell müssen die Abstinenznachweise sein?
Zwischen dem Ende des Abstinenzprogramms und der MPU sollten möglichst keine größeren Zeitlücken entstehen. Nachweise verlieren mit zunehmendem Zeitabstand an Überzeugungskraft. Absolute Grenze sind 4 Monate.
Kann ich erst Abstinenz machen und später kontrolliert trinken?
Theoretisch ist das möglich. In der Praxis muss ein solcher Wechsel jedoch plausibel erklärt werden und kann beim Gutachter Fragen aufwerfen.
Wann sollte ich mit den Abstinenznachweisen beginnen?
So früh, dass die erforderliche Nachweisdauer rechtzeitig erfüllt wird, aber nicht unnötig früh. Die Planung sollte immer zur Sperrfrist und zum voraussichtlichen MPU-Termin passen.