Vorsicht: Falle - die schlimmsten Fehler bei der MPU

Es gibt eine ganze Reihe klassischer Fallen, vor denen Sie sich unbedingt in Acht nehmen sollen, damit Sie nicht auf dem direkten Weg zur negativen MPU unterwegs sind. - Erfahren Sie hier mehr!

(aktualisiert am 12.11.2025)

1. Warum Glaubwürdigkeit entscheidend ist

Sie bewegen sich immer dann auf sehr dünnem Eis, wenn Sie etwas behaupten, das statistisch extrem unwahrscheinlich ist. Wenn Sie trotzdem drauf beharren, müssen Sie damit rechnen, dass der MPU-Gutachter Beweise sehen will für Ihre Behauptung.

Dazu ein fiktives Beispiel:

Mal angenommen, Sie würden behaupten: "Ich kann fliegen!" Ob der Gutachter das glauben wird? Eher wohl nicht! Spannend würde es aber dann, wenn Sie aufstehen, das Fenster aufmachen und zur Demonstration eine kleine Runde drehen…

Sie finden, das ist ein blödes Beispiel? Okay, es ist etwas übertrieben, aber es zeigt, worum es bei bekanntermaßen sehr unwahrscheinlichen Dingen geht: Können Sie es beweisen oder nicht?

Wo die Falle lauert

Verantwortung übernehmen für das eigene Handeln ist nur dann attraktiv, wenn es mit positiven Konsequenzen verbunden ist. Menschen machen Fehler. Niemand geht gerne mit seinen Fehlern hausieren. Es ist naheliegender, dass man versucht, so etwas zu verheimlichen oder mindestens möglichst harmlos darzustellen.

Zurück zur MPU-Realität:

Mal angenommen, Sie haben fleißig Punkte gesammelt, immer wegen zu schnell fahren. Der Gutachter befragt Sie genau zu jedem einzelnen Delikt. Mal berichten Sie, dass Sie in großer Eile waren, ein anderes Mal waren Sie einfach unaufmerksam usw. Dann fragt er Sie, wie oft Sie denn wohl insgesamt zu schnell gefahren sind. "Nur diese paar Mal, wo ich geblitzt wurde, sonst niemals!" - Würden Sie das glauben?

Natürlich ist es theoretisch möglich, dass Sie die Wahrheit sagen. Die Statistik besagt aber, dass das wirklich extrem unwahrscheinlich wäre. Ihrer Aussage steht also die Statistik entgegen. Können Sie Ihre Behauptung beweisen? Sehr wahrscheinlich nicht. - Das war jetzt nur ein Beispiel. Tagtäglich kommt es aber zig Mal vor, dass ähnlich abwegige und unwahrscheinliche Behauptungen bei der MPU fallen.

Ein für allemal:

Lassen Sie diesen Blödsinn bleiben! Sie schaden sich nur selber damit, weil der MPU-Gutachter Ihre gesamte Glaubwürdigkeit in Frage gestellt sieht!


2. MPU Gerichtsverhandlung

Es ist wichtig, dass Sie den riesengroßen Unterschied verstehen zwischen einer Gerichtsverhandlung und der MPU:

Woher kommt es, dass trotzdem oft extrem verharmlost wird? Ich vermute stark, dass es daran liegt, dass (bewusst oder unbewusst) die MPU mit einer Gerichtsverhandlung gleichgesetzt wird. Eine Rolle kann es auch spielen, dass einem das eigene damalige Verhalten jetzt im Nachhinein peinlich ist und man es deshalb beschönigen will. Der Gutachter würde das aber als mangelnde Einsicht und noch nicht ausreichende Aufarbeitung bewerten - durchgefallen, kommen Sie in ein paar Monaten wieder, wenn Sie weiter sind!

3. Unrealistische Behauptungen und Verharmlosungen

Ein häufiger folgenschwerer Fehler sind Angaben und Behauptungen, die einfach nicht stimmen können. Ein 2-Zentner-Mann, der mit 2 ‰ erwischt wurde und stocksteif behauptet er hätte wirklich nur 4 ganz normale Bier zu 0,5 Liter getrunken, behauptet etwas, das einfach rein technisch unmöglich ist.

Nicht viel glaubwürdiger stehen Sie da, wenn Sie sich damit rauszureden versuchen, indem Sie vermuten: "Da muss mir wohl jemand was ins Bier reingeschüttet haben. Es waren wirklich bloß 4 Halbe den ganzen Abend über!"

Böser Denkfehler:

Sie versuchen Ihr problematisches Verhalten so harmlos wie möglich darzustellen. Nur ungefähr jeder 1.000ste Führerscheininhaber pro Jahr muss aber zur MPU. Der Gutachter ist Psychologe und gewohnt auch mit Irrtumswahrscheinlichkeiten umzugehen. Es wird also auch immer ein paar Kandidaten geben, die nicht zu den ganz Schlimmen gehören.

Die MPU wird aber nicht willkürlich angeordnet. Man muss schon entweder unter erheblichem Alkohol- oder Drogeneinfluss gefahren sein oder hartnäckig immer wieder Punkte gesammelt oder sonst etwas sehr Ungewöhnliches getan haben, das als eine erhebliche Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer gilt.

Deshalb will der Gutachter mit Ihnen nicht diskutieren, ob Ihr Verhalten wirklich so schlimm war oder vielleicht doch etwas weniger. Er hat eine sehr klar formulierte Aufgabe: Kritisch überprüfen ob Sie das alte problematische Verhalten dauerhaft abgestellt haben. Versuche zur Verharmlosung passen da nicht rein!

4. Der Pechvogel

"Wissen Sie, das war alles gar nicht so wie es aussieht! Es ist total dumm gelaufen. Die Situation war völlig übersichtlich, keine Gefahr weit und breit. Ich hatte an dem Tag verschlafen und war spät dran. Wollte noch ein paar Minuten rausholen. Mach ich sonst nie, halte mich immer an die Vorschriften. Ausgerechnet an dem Tag wurde ich dann mit 55 km/h drüber geblitzt…"

Der hat wirklich Pech gehabt! Wo es doch so übersichtlich war! Erstaunlich ist es dann allerdings, dass er den Blitzer nicht gesehen hat, obwohl es doch so übersichtlich war…

Es kann tatsächlich so sein, dass Sie selbst es so wahrgenommen haben und sich ärgern über das "Pech", das Sie so oft haben. Den MPU-Gutachter wird das aber herzlich wenig beeindrucken und er wird Sie fragen, wieso das denn gleich mehrmals passiert ist, so dass Sie schließlich die 8 Punkte erreicht haben.

5. Ganz feste Vorsätze

"Ich werd's wirklich nie wieder tun. Das hab ich mir ganz fest vorgenommen!" - Schön für Sie, dass Sie so charakterstark sind! Die Erfahrung zeigt aber leider, dass zwischen Absicht und dem tatsächlichen Handeln oft ein erstaunlich großer Unterschied besteht. Deshalb weiß der Gutachter, dass ein schöner Vorsatz in der Realität nicht viel Wert ist.

Er ist Lernpsychologe und richtet seinen Blick auf andere Aspekte. Er sucht nach den Verstärkern für Ihr Verhalten:

Beachten Sie:

Das sind Fragen, über die Sie bisher vermutlich kaum nachgedacht haben werden, weil Ihnen diese Betrachtungsweise im Alltag nicht vertraut sein dürfte. Für den Psychologen ist es aber sein Standard-Werkzeug.

Genau das ist der Grund, wieso professionelle psychologische Unterstützung bei der Vorbereitung auf die MPU so wichtig ist.


6. Fehlende Gründe

Warum haben Sie sich so und nicht anders verhalten? Das ist die zentrale Frage bei der Begutachtung. "Es gab wirklich keinen besonderen Grund." So oder ähnlich ist das immer wieder zu hören. Wenn Sie so antworten, bedeutet das für den Gutachter: Ich weiß es nicht.

Tatsächlich tendieren gar nicht so wenige dazu so zu antworten. "Gründe? Nein, das hat sich eher zufällig so ergeben. Hab nicht weiter drüber nachgedacht. Aber ich werd's natürlich jetzt nicht wieder tun!"

Dass Sie sich für gute Vorsätze und gaaaanz feste Versprechen bei der MPU nichts kaufen können, das haben Sie ja bereits unter 5. erfahren. Aber was ist an 6. so schlimm?

Nehmen wir mal an, Sie sind wirklich fest überzeugt davon, dass es keine besonderen Gründe für Ihr Verhalten gegeben hat. Dann überlegen Sie mal, was draus folgt: Sie sind also einer, der sich nur sehr wenige Gedanken macht, sondern mal eben so Dinge tut, die ganz offiziell als erhebliche Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer gelten. Wie wollen Sie den Gutachter davon überzeugen, dass das in Zukunft nicht wieder vorkommen wird - einfach spontan mal eben so natürlich, ohne besonderen Grund?

Niemand handelt grundlos

Die klassische Lernpsychologie geht fest davon aus, dass alle unsere Handlungen Gründe haben. Viele sind sofort offensichtlich: "Warum hast du den ganzen Kuchen aufgegessen?" - "Ich hatte Hunger und es war nichts anderes da." Es kommt es aber gar nicht so selten vor, dass uns die genauen Handlungsgründe nicht bewusst sind, weil sie vielschichtiger sind und wir nicht ständig drüber nachdenken.

Ein Beispiel:

Carsten hat ein PS-starkes Auto, auf das er sehr stolz ist. In seinem Freundeskreis (Poser-Szene) spielen schnelle Autos eine wichtige Rolle. Wer dort viele Punkte angesammelt hat, gilt als besonders cool. Seit Carsten jetzt aber keinen Führerschein mehr hat, gehört er einfach nicht mehr richtig dazu. So hat er sich das nicht vorgestellt!

Das ist nur ein Beispiel. Die wirklichen Handlungsgründe können noch viel verdeckter sein. Sie haben viel Alkohol getrunken? Warum? - "Mir schmeckt's halt, und die Stimmung war so toll an dem Abend!" - Und warum sind Sie dann noch gefahren? - "Ich hab das Auto doch am nächsten Morgen gebraucht!"

Beachten Sie:

Der psychologische MPU-Gutachter wird sehr genau nachfragen und mit oberflächlichen Erklärungen nicht zufrieden sein!