Mann schauit skeptisch auif Bildschirm

MPU-Vorbereitung per KI?
Ich habe es getestet!

Lesen Sie hier:

Eine verlockende kostensparende Alternative: Eigentlich müsste man sich doch auch per KI auf die MPU vorbereiten können, oder nicht? Ich habe es getestet und berichte hier meine Erfahrung dabei.

1. Der Einstieg

Ich frage einfach ganz direkt ChatGPT, ob es mir denn vielleicht bei der Vorbereitung auf die MPU helfen könnte. Die Antwort klingt viel versprechend:

Ja. Ich kann dich Schritt für Schritt auf die MPU vorbereiten – von der medizinischen Untersuchung bis zum psychologischen Gespräch. Wir können typische Fragen durchspielen, deine Antworten kritisch prüfen und herausarbeiten, wo ein Gutachter möglicherweise nachhaken wird.

Es folgt ziemlich ausführlich eine Beschreibung, wie die MPU aufgebaut ist (mit medizinischem Teil, Reaktionstests und psychologischem Teil) und was gefährlich werden kann (Verharmlosung usw.). Nicht schlecht, aber noch sehr allgemein gehalten. - Klar, weil bisher wurde ja noch gar nicht angesprochen was überhaupt vorgefallen ist, weshalb es zur MPU gekomen ist.

Dann macht ChatGPT folgenden Vorschlag:

Ich schlage vor, dass wir eine realistische MPU-Simulation machen. Ich stelle dir jeweils eine Frage, du antwortest so, wie du es im echten Gespräch tun würdest, und anschließend analysiere ich deine Antwort:

  • Was ist daran bereits überzeugend?
  • Wo könnte der Gutachter kritisch nachfragen?
  • Welche wesentlichen Punkte fehlen möglicherweise?
  • Wie kannst du deine tatsächlichen Erfahrungen klarer und nachvollziehbarer erklären?

Zwischenstand:

Noch ist alles ganz allgemein gehalten. Es ist noch kein einziger Satz darüber gefallen, was überhaupt der Anlass für die MPU war. Ich finde, bisher hört sich alles ja nicht schlecht an.

2. Es wird konkreter

Ich nehme meine eigene MPU, zu der ich 2009 ja tatsächlich antreten musste:

Ich möchte mich konkret auf meine MPU vorbereiten. Anlass: Wiederholte Verkehrsverstöße. Ich habe viele Male in einer gebührenpflichtigen Parkzone geparkt ohne einen Parkschein zu ziehen.

ChatGPT mimt jetzt den psychologischen MPU-Gutachter und stellt die erste Frage:

„Herr Mangold, Sie haben über einen längeren Zeitraum wiederholt im Parkbereich geparkt, ohne den vorgeschriebenen Parkschein zu ziehen. Erklären Sie mir bitte zunächst einmal: Wie ist es dazu gekommen, und warum haben Sie das immer wieder getan, obwohl Ihnen bekannt war, dass Sie gegen die geltenden Parkregeln verstoßen?“

Ich antworte, dass es dort nur wenig kostenlose Parkplätze gab und dass man weiter weg alle 2 Stunden einen neuen Parkschein ziehen musste. Das war mir einfach zu lästig. Und weil der Kontrolleur meistens nur einmal pro Woche kam, hab ich das einfach in Kauf genommen - war sogar billiger als immer Parkschein ziehen!

Die Reaktion von ChatGPT fand ich doch etwas überraschend (ich kürze etwas ab):

  • Positiv: Du benennst dein tatsächliches Motiv (…).
  • Kritisch: Du hast die Entdeckungswahrscheinlichkeit einkalkuliert. (…) Ein Gutachter könnte daraus schließen, dass du die Regel durchaus kanntest.
  • Warum haben Sie damals Ihre Bequemlichkeit über die geltenden Regeln gestellt? Was haben Sie sich dabei gedacht?

Dass ich die Regeln kannte, finde ich ziemlich banal - schließlich hab ich das ja nirgends bestritten. Die Frage nach dem Warum hab ich ja schon selber beantwortet (Bequemlichkeit und Geldersparnis nämlich). "Was haben Sie sich dabei gedacht" führt da nicht wirklich weiter, meine ich.

Aber schauen wir uns an, wie es weiter geht:

Bei einer MPU wegen wiederholter Parkverstöße ist es besonders wichtig, nicht bei der Erklärung „Ich wollte mir den Aufwand ersparen“ stehenzubleiben, sondern die dahinterliegende Einstellung und eine mögliche Veränderung nachvollziehbar herauszuarbeiten.

Ich bleibe bei meiner Sichtweise und erkläre:

"Es gibt keine dahinter liegende Erklärung. Ich hab's doch schon erklärt. Und es hat doch niemandem geschadet! Keiner ist dadurch gefährdet worden!"

Zwischenstand:

Sehr weit sind wir noch nicht gekommen, finde ich. Wenn ich mir die Situation und meine bisherigen Antworten anschaue und mir überlege, wie ich als MPU-Vorbereiter damit umgehen würde, wäre es für mich gar keine Frage: Um endlose Argumentationsschleifen zu vermeiden, wäre es an der Zeit anzusprechen, was im Gutachtergespräch wichtig ist.

3. Lob

ChatGPT bleibt aber ganz freundlich und lobt mich sogar noch für den "zentralen Punkt", den ich angesprochen habe:

Das ist eine sehr aufschlussreiche Antwort. Sie könnte im MPU-Gespräch tatsächlich einen zentralen Punkt deiner damaligen Einstellung sichtbar machen. Ich möchte dabei zwischen zwei Dingen unterscheiden: Deiner damaligen Denkweise und deiner heutigen Bewertung. Für die MPU ist beides wichtig.

(…) Du hast entschieden, dass du Regeln nicht beachten musst, wenn du ihren Sinn in deiner konkreten Situation nicht einsehen konntest oder sie dir zu unbequem sind.

In meiner damaligen Sichtweise hätte ich dem sofort zugestimmt: Es gibt doch eine Menge Regeln, die "vernünftig betrachtet" längst nicht immer Sinn machen. Und wenn ich das erkennen kann: Warum soll ich mich dann trotzdem dran halten?

ChatGPT bemerkt zwar ganz richtig:

"Das Problem ist nicht, dass du mit deinem Parkverstoß einen konkreten Schaden verursacht haben musst. Das Problem ist die mögliche Schlussfolgerung, dass du die Verbindlichkeit einer Regel von deiner persönlichen Einschätzung abhängig gemacht hast."

ChatGPT kommt scheint jetzt tatsächlich auf den heiklen Punkt zu kommen (die Verbindlichkeit einer Regel von persönlicher Einschätzung abhängig gemacht). Als Vorbereiter würde ich dem Klient jetzt erklären, wieso das als gefährlich angesehen wird und dass das ein ernsthaftes Hindernis sein kann, wenn man ja eine positive Prognose bekommen will. Der Gutachter wird bei einem solchen Kandidaten erhöhtes Autonomiebestreben erkennen und stark damit rechnen können, dass er das auch in Zukunft in anderen Situationen zeigen wird: Regeln sind für diesen Mensch nichts Verpflichtendes! - Damit ist aber keine positive MPU möglich.

Butterweich formuliert es ChatGPT aber wie folgt:

„Herr Mangold, Sie sagen, dass niemandem etwas geschadet hat. Sie haben aber über einen längeren Zeitraum wiederholt bewusst gegen die Parkregel verstoßen. Warum sollte eine Regel für Sie verbindlich sein, wenn Sie persönlich keinen Schaden erkennen können? Wie sehen Sie das heute?“

Es bewegt sich immer noch sehr auf einem Smalltalk-Level, auf dem man noch sehr lange drüber diskutieren kann, wer jetzt mit seiner individuellen Sichtweise mehr Recht hat.

ChatGPT macht weiter mit seiner betont soften Art:

Ein Hinweis für unser weiteres Training: Wir sollten nicht vorschnell unterstellen, dass hinter deinen Parkverstößen eine generelle Missachtung aller Regeln stand. Entscheidend ist, ob es sich um eine auf diese Situation begrenzte Haltung handelte oder ob sich darin ein breiteres Muster zeigte.

ChatGPT baut mir hier eine Brücke: Könnte es eventuell sein, dass ich Regeln insgesamt sonst meistens schon beachte, nur hier beim Parken nicht?

Ich staune:

Ich verstehe nicht, welche Absicht hier dahinter steht. Selbst wenn das der Fall wäre, würde es doch keinen Schritt weiter führen! Soll ich denn etwa wirklich schön begründen, wieso mein Verhalten ganz in Ordnung war? Und jetzt ist dann irgendwann aus heiterem Himmel die Erkenntnis gekommen, dass es doch besser ist, Regeln einzuhalten?

4. Wie geht es weiter?

Ich möchte mal sehen, wie sich der Dialog weiter entwickelt und antworte provokativ:

"Die ganze Parkregelung dort ist doch reine Geldmacherei für die Stadt und Schikane für die Autofahrer!"

Anstatt jetzt endlich zu sagen: "Junge, jetzt hör mal zu: Wenn du deinen Führerschein nicht verlieren willst, führt das so nicht zum Ziel!" wird wieder eine neue Brücke gebaut:

Der Gutachter möchte nicht darüber entscheiden, ob die Stadt eine gute Verkehrspolitik betreibt. Er möchte verstehen, warum du dich persönlich für berechtigt gehalten hast, die Regel wiederholt zu missachten. Allerdings dürfen wir nicht vorschnell urteilen: Es ist durchaus möglich, eine Regelung tatsächlich für ungerecht zu halten und sich trotzdem an sie zu halten.

Was gewissermaßen sagt: Du darfst die Regel ja für blödsinnig halten, so lange du dich trotzdem dran hältst. - Aber sag das bloß dem Gutachter nicht…

Und weiter ChatGPT:

Genau an diesem Punkt müssen wir tiefer gehen. Bisher haben wir drei Dinge gehört:

  • Du wolltest dir den Aufwand ersparen.
  • Du hast mit einer geringen Wahrscheinlichkeit gerechnet, kontrolliert zu werden.
  • Du hast die Regelung als Geldmacherei und Schikane empfunden.

Das ergibt ein erstes Bild deiner damaligen Denkweise. Es reicht aber noch nicht, um zu beurteilen, ob dahinter ein allgemeineres Verhaltensmuster stand oder ob es eine auf diese konkrete Situation begrenzte Rechtfertigung war.

Wie bitte? Wenn es eine auf diese konkrete Situation begrenzte Rechtfertigung war, dann ist das also in Ordnung - oder wie ist das zu verstehen?

VORSICHT:

Es entsteht der Eindruck: Ja, mein Verhalten war gar nicht so abwegig, und das darf ich auch so vertreten. Tatsächlich wäre das ja aber verheerend und muss auf geradem Weg zur negativen Prognose führen: Durchgefallen, fehlende Aufarbeitung!

Wie es weiter geht:

Der Dialog geht noch eine ganze Weile hin und her, ohne dass - aus meiner Sicht - etwas MPU-Taugliches dabei raus kommt. ChatGPT bleibt freundlich und scheint nicht zu erkennen, dass der Kandidat offenbar noch nicht verstanden hat, um was es bei der MPU wirklich geht und dass es der falsche Ansatz ist, das alte Problemverhalten immer wieder neu zu rechtfertigen.

5. ChatGPT beginnt ein neues Thema

Schließlich scheint es ChatGPT wohl aufzugeben und antwortet weiter:

Wir haben bisher vor allem deine damalige Rechtfertigung untersucht. Als Nächstes müssen wir auch klären, was sich seit den Parkverstößen tatsächlich verändert hat. Ohne diesen Bezug zur heutigen Situation wäre die Aufarbeitung unvollständig.

Ich halte fest:

Ganz offensichtlich sind die Rechtfertigungen für das Parkverhalten nicht wirklich als ein absolutes No-Go zum Bestehen der MPU thematisiert worden. Stattdessen wird ein neues Thema aufgemacht: Was ist heute anders?

Natürlich ist das auch ein wichtiger Punkt. Sehr gefährlich finde ich aber, dass durch die durchgängig freundlich-verharmlosende Art beim Klient der Eindruck entstehen wird: Der Dialog war sehr lang. Nicht für alles, aber oft bin ich auch verstanden und manchmal sogar gelobt worden. So kann ich jetzt zur MPU antreten und werde ganz cool bestehen - aber denkste!!!

Ich breche an dieser Stelle ab. Was ich gelesen habe, reicht mir für eine Einschätzung.

Auswertung

Kein Gutachter wird so freundlich, wohlwollend und vor allem geduldig das Gespräch führen.

Schon ganz am Anfang, als ich erkläre, wieso das doch sehr vernünftig war, wie ich mich verhalten habe, würde jeder Gutachter sofort erkennen, dass der Kandidat ganz offensichtlich keine brauchbare Vorbereitung gemacht hat (sonst hätte er nämlich gewusst, dass er mit seiner Argumentation durchfallen wird).

Die Begutachtung wird deshalb recht kurz ausfallen: Es kommen ein paar typische Fragen, mit denen er abklopfen kann, wie es um die Vorbereitung aussieht - und dann war's das auch schon.

Ich finde es unverantwortlich, was für ein Bild von der MPU hier vermittelt wurde: Die Wahrscheinlichkeit auf einen so betont freundlichen Gutachter zu stoßen, ist in der Realität nahe null.

Der Gutachter in der Simulation benimmt sich eher wie ein Therapeut, nicht wie ein Gutachter!

Die Wirklichkeit sieht aber drastisch anders aus: Es ist sogar die Aufgabe des Gutachters alle Schwachstellen aufzuspüren und zu bewerten, ob sie eventuell so gering sind, dass ein §70-Kurs reichen würde (mit rund 500 € ist man dabei…) - oder eben nicht: Durchgefallen - kommen Sie in einem halben Jahr wieder!

Meine Einschätzung von MPU-Vorbereitung per KI kann deshalb zumindest auf dem jetzigen Stand mit ChatGPT nur lauten: Finger weg!

(aktualisiert am 19.10.2026)